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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. November 2017 | 09:24 Uhr

Rittmeister-Erweiterung droht das Aus

vom

svz.de von
erstellt am 01.Nov.2013 | 09:08 Uhr

Biestow | Die Bürgerschaft soll ihre Erlaubnis für den Ausbau des Landhotels Rittmeister zurücknehmen. Das fordert Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09. Sie hat zur Sitzung am kommenden Mittwoch eine entsprechende Vorlage eingebracht. Konkret soll der bereits im September vergangenen Jahres gefasste Satzungsbeschluss zum geänderten Bebauungsplan aufgehoben werden.

Hintergrund ist ein seit Monaten laufendes Gerichtsverfahren. Nachbarn des Landhotels in Biestow hatten gegen dessen Erweiterung geklagt und bereits Ende April in erster Instanz einen vorläufigen Baustopp erwirkt. Laut Sybille Bachmann, weil "der dem Vorhaben zugrunde liegende Bebauungsplan aufgrund eines beachtlichen Abwägungsfehlers unwirksam sein dürfte". Dem Gericht zufolge reicht vor allem die vorgesehene Aufstockung der Parkplätze auf 40 nicht aus, um Suchverkehr und damit Lärm zwischen 22 und 6 Uhr zu verhindern. Auch sei der Gaststätten- und Beherbergungsbetrieb nach einem Umbau nicht mit dem umliegenden Wohngebiet verträglich.

Der Eilbeschluss des Verwaltungsgerichts Schwerin wurde Ende Juli vom Oberverwaltungsgericht Greifswald bestätigt. "Dabei trat unter anderem auch zutage, dass die Bürgerschaft für ihre Entscheidung durch die Verwaltung unvollständig informiert wurde", sagt Sybille Bachmann. Der eingereichte Bebauungsplan hätte einer schon 2003 erteilten Baugenehmigung widersprochen. Zu dieser Frage verhandelt das Oberverwaltungsgericht am 4. Dezember. Laut Sprecherin Dorothea ter Veen wurden zwei Normenkontrollanträge eingereicht, in denen ein ordnungsgemäßes Verfahren bei der Aufstellung des geänderten Bebauungsplans angezweifelt wird.

Eigentlich wollte Investor Andreas Barnehl seinen Anbau im Dezember schon eröffnen. Seinen Plänen zufolge soll das Hotel um vier Zimmer sowie ein neues Haus mit 16 Zimmern erweitert werden. Außerdem soll ein Wellnessbereich mit verschiedenen Saunen, einem Pool und mehreren Anwendungsräumen sowie einem Private-Spa entstehen. Nach Abschluss der Arbeiten will er sein Team um mehrere Angestellte erweitern. An dem Vorhaben feilt er seit 2007.

Doch seit Monaten ruhen die Arbeiten am Damerower Weg, über das Fundament des neuen, dritten Hauses sind die Handwerker nicht hinausgekommen. "Bis jetzt haben wir eine knappe Million investiert", sagt Andreas Barnehl. Insgesamt sollten es drei Millionen Euro werden. Ob er im Falle einer Aufhebung des Bebauungsplanes und der in der Folge erteilten Baugenehmigungen Anspruch auf Schadensersatz gegenüber der Stadt geltend machen könnte, hat er noch nicht in Erwägung gezogen. Ihn beschäftige derzeit eher, ob er das Hauptverfahren vor Gericht abwarten und es damit auf eine längere Auseinandersetzung mit den Nachbarn ankommen lassen soll. Denn allein bis zum Beginn der Verhandlung könnten noch viele Monate vergehen.

Weitere Verzögerungen will Andreas Barnehl aber möglichst verhindern. "Wir prüfen Umplanungen, mit denen wir den wesentlichen Kritikpunkten entsprechen", sagt er. Diese Neuplanung betrifft vor allem eine mögliche Erhöhung der Parkplatzzahl - auch wenn der Investor das Problem für überzogen hält: "Das ist an den Haaren herbeigezogen." Zum einen lasse die Satzung einen relativ großen Toleranzbereich bei den Stellplätzen zu, innerhalb dessen sich das Landhotel nach dem Umbau oberhalb des Mittelwerts befunden hätte. Zum anderen gäbe es nach 22 Uhr kaum noch Autobewegungen von Gästen. Die hätten dem Landhotel bislang trotz der brachliegenden Baustelle die Treue gehalten: "Das Geschäft ist nicht eingebrochen."

Kritik kam von vornherein vom Ortsbeirat, der eine nochmalige Erweiterung nach dem früheren Bau von Hotel und Destille einstimmig ablehnte. Sie zerstöre die naturnahe Idylle Biestows und öffne die Tür für weitere Ausbaupläne - gerade weil das Geschäft so gut laufe.

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