Aus dem Gerichtssaal : Richter sorgt für Paukenschlag

Vor dem Landgericht in Rostock wird der Fall behandelt.
Vor dem Landgericht in Rostock wird der Fall behandelt.

Im Prozess nach einem brutalen Wohnungsüberfall geht er über das geforderter Strafmaß hinaus und kritisiert Anklage und Verteidigung

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21. November 2015, 06:00 Uhr

Die Urteilsverkündung im Strafverfahren gegen die Rostocker Felix B. (23), Benjamin K. (26) und Ricco D. (25) hat gestern mit einem Paukenschlag begonnen. „Wer die Plädoyers am Dienstag gehört hat, könnte den Eindruck gewinnen, dass es um den Diebstahl von ein paar Salatköpfen auf einem Bauernmarkt ging und nicht um ein schwerwiegendes Verbrechen“, so der Richter. „Das war ein Streichelzoo“, meinte er.

Im Gegensatz zur Anklage, die Bewährungsstrafen und eine Geldstrafe beantragt hatte, fielen die Urteile entschieden härter aus, vor allem für Felix B. Die Angeklagten wurden des besonders schweren Raubes beziehungsweise der Beihilfe schuldig gesprochen. Ricco D. erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung, Benjamin K. wegen Beihilfe eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Felix B. wurde zu einer Jugendhaftstrafe von drei Jahren verurteilt.

Und so beschreibt der Richter die Tat: Zwei junge Menschen, Christoph Z., damals 22, und Marie Ann Sch., erst 20 Jahre alt, sitzen am Nikolausabend 2012 ruhig zusammen. Als der Nachbar Ricco D. an der Wohnungstür klingelt, wird ihm arglos geöffnet. Herein stürmen mit ihm zwei maskierte Männer, bewaffnet mit einem langen, macheteähnlichen Messer und Pfefferspray. Im Badezimmer setzt Felix B. Christoph Z. das Messer an den Hals, besprüht ihn mit Pfefferspray, stößt ihn in die Badewanne und öffnet den Wasserhahn über ihm. Robert F. durchsucht die Wohnung und packt alle technisch wertvollen Geräte im Wert von rund 800 Euro ein. Ricco D. habe sich als Türöffner betätigt und Benjamin K. wusste von technischen Neuanschaffungen des Nachbarn. Alle drei Angeklagten waren an der Planung des Überfalls beteiligt. Robert F. war bereits zuvor zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Die Opfer Christoph Z. und Marie Ann Sch. stehen bis heute unter dem Eindruck des Geschehens. Beide haben Rostock in der Folge verlassen. Die Angeklagten können Revision gegen das Urteil einlegen.

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