Reutershäger kämpfen um ihre Bibliothek

<strong>Marianne Löpp (74) leiht sich regelmäßig Bücher aus:</strong> '2007 mussten wir schon mal für unsere Bibliothek kämpfen. Das machen wir auch jetzt.'   Sie besitzt sogar ein Bild  der Reutershäger Bibliothek von 1958, dem Eröffnungsjahr.<foto>Georg Scharnweber</foto>
Marianne Löpp (74) leiht sich regelmäßig Bücher aus: "2007 mussten wir schon mal für unsere Bibliothek kämpfen. Das machen wir auch jetzt." Sie besitzt sogar ein Bild der Reutershäger Bibliothek von 1958, dem Eröffnungsjahr.Georg Scharnweber

svz.de von
09. Januar 2013, 08:51 Uhr

Reutershagen | Es ist die Bibliothek mit den meisten Ausleihen pro Einwohner. Allein am vergangenen Freitag gingen hier 817 Medien über die Theke - ein neuer Rekord. Doch wenn es nach der Stadt geht, soll die Zweigstelle in Reutershagen bald geschlossen werden. Die Anwohner wollen das nicht hinnehmen. "Das ist unmöglich. Bildung darf nicht reduziert werden", sagt Peter Jänicke, Ortsbeiratsvorsitzender. Am Dienstag sprach sich die Stadtteilvertretung gegen das Konzept aus.

"2007 mussten wir schon einmal für unsere Bibliothek kämpfen. Das werden wir auch jetzt machen", sagt Marianne Löpp. Die 74-Jährige ist Vorsitzende des Sozialausschusses, Mitglied des Ortsbeirates und selbst langjährige Nutzerin der Bibliothek. Für sie würde mit der Schließung ganz klar eine Bildungslücke entstehen, denn nicht jede Familie könne sich Bücher leisten. Laut des Haushaltssicherungskonzeptes (Hasiko) der Hansestadt Rostock für 2013 bis 2015 sollen unter anderem drei der fünf Standorte der Stadtbibliothek geschlossen werden, um so Kosten zu sparen - insgesamt eine halbe Million Euro. Nur Warnemünde und die Zentrale in der Kröpeliner Straße sollen erhalten bleiben. "Warum gerade die Zweigstelle in Reutershagen geschlossen werden soll, weiß ich nicht", so Manfred Heckmann, Leiter der Stadtbibliothek. Denn hier seien die Nutzer sehr aktiv, es gibt mehr Ausleihen als Einwohner im Stadtteil. Und: In diesem Jahr feiert die Zweigstelle ihren 55. Geburtstag und ist damit die älteste der Stadtbibliothek Rostock.

Viele Kinder und ältere Menschen würden die Bibliothek nutzen, oft sei der kleine Raum viel zu überfüllt. Sollte es zu der Schließung kommen, müssten die Nutzer entweder in die Stadt oder nach Warnemünde ausweichen. "Für die älteren Menschen ist das nicht möglich", sagt Löpp. Neben der langen Strecke seien auch die Fahrtkosten von vielen nicht tragbar.

Laut Heckmann würde eine Schließung finanziell gar keine großen Einsparungen bringen. "Wir wissen nicht, wohin mit den Büchern, müssten im schlimmsten Fall ausbauen, die Öffnungszeiten in der Stadt verlängern oder Ähnliches."

Auch der Ortsbeirat Dierkow Ost/West diskutierte am Dienstagabend über die Reduzierung der Bibliotheken. "Diese Maßnahmen gehen nur noch zu Lasten der Bürger", so Ortsbeiratsvorsitzender Uwe Friesecke. Die Reutershäger wollen sich nun für ihre Bibliothek stark machen. "Ich werde allen davon erzählen, damit sich möglichst viele für den Erhalt einsetzen", sagt Löpp.

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