Rettungsversuch in letzter Sekunde

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03. Januar 2013, 06:31 Uhr

Rostock | "Es ist noch immer die selbe stolze alte Dame wie vor 60 Jahren", sagt Kapitän Geert de Vriese, als er die Gangway der "Georg Büchner" hinabsteigt. Der Belgier ist Mitglied einer Antwerpener Organisation, die sich für den Erhalt des flämischen maritimen Erbes einsetzt und fuhr einst auf einem Schwesternschiff der "Büchner". Die Sorge um das Schiff, welches einst "Charlesville" hieß und jetzt noch im Stadthafen liegt, hat ihn und elf seiner Mitstreiter gestern nach Rostock gebracht. Denn ohne einen neuen Investor droht dem Schiff schon bald die Verschrottung.

De Vriese und seine Kollegen versuchten über eine Rettung in letzter Sekunde zu verhandeln - und das Schiff dafür nach Belgien zu holen. Doch zunächst mit wenig Erfolg. "Es sieht so aus, als würde es auch dieses Mal scheitern", sagte Eric van Hooydonk, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Watererfgoed Vlaanderen und Spezialist für Seerecht. In Belgien habe er sich intensiv um öffentliche und private Investoren bemüht. "Das Interesse, das Schiff zu bewahren und nach Belgien zu holen, ist groß." Schließlich sei die "Büchner" das letzte erhaltene der fünf kombinierten Passagier- und Ladungsschiffe, die für den belgischen Kolonialverkehr fuhren, bevor es für die DSR auf der Kuba-Route unterwegs war. "Aber keiner unserer Partner will das Risiko eingehen und die Initiative übernehmen", so van Hooydonk. Der Verein selbst könne das Projekt nicht schultern. Denn der Kaufpreis des Schiffes soll bei 750 000 Euro liegen, eine Sanierung mindestens fünf Millionen Euro kosten.

Die Kosten waren auch ein Problem für den Vorbesitzer, den Förderverein Traditionsschiff Rostock, der an Bord eine Jugendherberge betrieb. Sie musste zum 31. Dezember 2012 schließen. Nachdem auch die Hansestadt Rostock, auf deren Denkmalliste das Schiff steht, nicht einspringen konnte, wurde das Schiff an einen unbekannten Investor verkauft. Der will die "Georg Büchner" nun offenbar im litauischen Klaipeda verschrotten lassen - am 10. Januar soll sie Rostock verlassen. "Der Termin hängt allerdings noch vom neuen Eigner ab", sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Nach seinen Angaben soll es schon früher immer wieder Versuche gegeben haben, das Schiff nach Belgien abzugeben. Aber alle Versuche scheiterten - immer an der Finanzierung.

Das Geld ist dieses Mal aber nicht das einzige Problem. Die belgischen Schiffsliebhaber, von denen einige zur ehemaligen Crew gehören, können mit dem unbekannten Eigner nicht direkt verhandeln. "Wir brauchen immer einen Mittelsmann. Das macht es noch komplizierter", sagt van Hooydonk. Und so verließ die belgische Delegation gestern wieder Rostock - ohne positives Verhandlungsergebnis und ohne Schiff.

Was ihnen zunächst bleibt, sind hunderte Fotoaufnahmen, die sie gestern noch von dem schwimmenden Denkmal machen konnten und die Aussicht eine umfangreiche Dokumentation, an denen ein Team des NDR arbeitet.


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