zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

16. Dezember 2017 | 12:09 Uhr

Botanischer Garten : Rettung für bedrohte Pflanzen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Das Team des Botanischen Gartens versendet Samen in alle Welt / Bei drei Grad Celsius sind sie optimal keimfähig

Im Botanischen Garten in Rostock hat der weltweite Versand von Pflanzensamen begonnen. Die Einrichtung der Universität tauscht mit mehr als 500 Partnern auf allen Kontinenten kostenfrei Samen aus, um vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten in ihrem Bestand zu sichern und für die wissenschaftliche Arbeit zu nutzen. Auf der acht Hektar großen Gartenfläche im Hansaviertel wachsen 10 000 Pflanzenarten aus aller Welt.

Gärtnerin Sylvia Roisch öffnet ihre „Schatztruhe“ – einen riesigen Kühlschrank. Zum Vorschein kommen Hunderte Schachteln mit Samen, geordnet nach ihren lateinischen Namen, gut verpackt, bei 3 Grad Celsius optimal keimfähig gehalten. Weltweit sind 350 000 höhere Pflanzenarten bekannt. 3000 sind in Deutschland beheimatet, davon rund 1800 in Mecklenburg-Vorpommern. 45 Prozent sind nach Angaben der Botaniker gefährdet, stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten oder sind schon ausgestorben. Um solche „Sorgenkinder“ kümmert sich Roisch mit ihrem Team.   Eine der interessantesten Vertreterinnen ist Mandragora, auch Alraune genannt. Ursprünglich war diese Heilpflanze vom Mittelmeerraum über Zentralasien bis in den Himalaya beheimatet. Ihr wurden seit der Antike magische Kräfte nachgesagt. Wer in ihrem Besitz war, dem sollten Glück und Zufriedenheit, ewige Liebeskraft und Geld beschieden sein. Noch vor gut 100 Jahren wurden im Berliner Kaufhaus Wertheim Glücksalraunen angeboten. Manchmal war es auch nur einfacher Siegwurz, denn die begehrte Alraune war längst zur Rarität geworden.

Heute gilt es, ihren Bestand zu sichern. „Und das in ihrer klassischen, ursprünglichen Wildform“, betont Kustos Dethardt Götze.  Generell müsse die Genetik von Pflanzen permanent aufgefrischt werden, um die Ursprungsqualität zu erhalten. Durch immer neue Varianten der Zucht von Pflanzen gebe es heute eine Vielzahl von Mutationen, die zwar jeweils auf eine Wildform zurückgehen, die aber nur noch schwer oder gar nicht mehr zu erkennen ist. Einige Pflanzen seien nur noch mit viel Aufwand wieder auf die Wildform zurückzuführen.

In MV hat die Arbeitsgemeinschaft Geobotanik des Naturschutzbundes eine Artenliste für das Florenschutzkonzept des Landes erarbeitet. „Sie umfasst 320 Arten, für die MV eine besondere Verantwortung trägt“, erläutert die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Heike Ringel. Davon seien 76 Arten prioritär, das heißt, sie haben nur noch wenige Vorkommen. So seien von der Baltischen Binse auf naturnahen Küstendünen nur noch vier Vorkommen bekannt. Einige Orchideen hätten nur noch einen einzigen Standort.

Nicht alle Pflanzen aber lassen sich in Botanischen Gärten kultivieren. Daher seien 30 Arten aus dem Land für die Erhaltungskultur im Botanischen Garten in Rostock ausgewählt worden. Eine der bedrohten Arten, die Sandnelke, wurde in einem Projekt des Naturschutzbundes bereits wieder in der Natur ausgesät. „Wir hoffen, dass sie sich verbreitet“, sagt Ringel. Es gebe nur noch zwei natürliche Vorkommen im Osten des Landes.

Der Botanische Garten der Rostocker Uni ist einer von bundesweit mehr als 90 Botanischen Gärten in Deutschland, die sich zu einem Verband zusammengeschlossen haben. Ihre Aufgaben sind dem Dachverband zufolge die Erforschung und Bewahrung der Pflanzenwelt in wissenschaftlichen Sammlungen. Außerdem wollen sie spannende Lernorte sein. Jährlich zählen sie den Angaben zufolge in Deutschland mehr als 20 Millionen Besucher. Etwa 50 000 Pflanzenarten sind in den Gärten kultiviert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen