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20. November 2017 | 01:30 Uhr

Retter legen Ölteppich aus Popcorn

vom

svz.de von
erstellt am 13.Jun.2013 | 07:48 Uhr

Warnemünde | Eine Ölhavarie vor der Warnemünder Küste wäre der Super-GAU. Damit nach einer Schiffskollision oder ernsten Schiffspanne eine drohende Umweltkatastrophe verhindert werden kann, haben gestern Ostseeanrainer den Ernstfall geprobt. Mit insgesamt 23 Spezialschiffen beteiligten sich Deutschland, Dänemark, Polen, Schweden, Russland, Lettland, Litauen und Finnland und die Europäische Sicherheitsagentur an der internationalen Havarie-Übung „Balex Delta“. „Ölunfälle kennen keine Grenzen, da ist es richtig und wichtig, dass alle Ostseeanrainer zusammenarbeiten“, sagt Dieter Schmidt, stellvertretender Leiter des Havariekommandos.


Popcorn eignet sich aufgrund seiner Schwimmfähigkeit bestens für die Übung. Deshalb hat der Seenotkreuzer „Baltic“ gestern Vormittag rund 40 Kubikmeter des Naschzeugs auf der Ostsee verteilt. Es sei ungesüßt und ungesalzen und daher für Fische und Möwen unbedenklich, so Dr. Ulrike Windhövel, Sprecherin des Havariekommandos. Zudem verhalte sich das Popcorn wie auf dem Wasser treibendes Öl.

Das 52 Meter lange Schiff „Spiekeroog“ gab bei der Übung den Öl verlierenden Havaristen. In die zwei Mannschaften „Alpha“ und „Bravo“ eingeteilt, eilten die Retter dem Marine-Schlepper zur Hilfe. Das Seezeichenschiff „Sturmmöwe“ und der dänische Öltanker „OW Copenhagen“ errichteten eine Ölsperre, die den ausströmenden Treibstoff auffangen sollte.


In U-Form fuhren die miteinander verbundenen Schiffe hinter dem Havaristen hinterher. „Da das Öl nach einiger Zeit verklumpt und auf den Meeresgrund sinkt, muss alles ganz schnell gehen“, so Sprecherin Windhövel. Ein weiteres Schiff fuhr hinter der U-Formation her, um mit Auffangarmen die Restbestände vom Wasser aufzunehmen. Fünf verschiedene Formationen bildeten die Teams. Das speziell zum Auffangen von Öl konstruierte Schiff „Bottsand“ öffnete hinter einer fahrenden Ölsperre seinen Körper in V-Form. Am Ende wurde der Havarist in den Hafen geschleppt und die Abläufe am Abend ausgewertet.


Auf Kommunikation hat das Havariekommando gestern den Schwerpunkt gelegt. Die Teilnehmer testeten vor allem die Alarmierungsabläufe und Meldeverfahren. „Dabei ist wichtig, dass alle englisch sprechen“, so Windhövel. Bei der vergangenen Übung in der Nordsee habe das nicht so gut geklappt.Eine ständige Weiterbildung hält auch der stellvertretende Havarieleiter für notwendig: „Auch wenn wir alle Übungsziele erreicht haben, ist das kein Grund, sich jetzt auszuruhen.“ Unter dem Dach des Helsinki-Commission-Abkommens (Helcom) wurde die Havarieübung vor der Warnemünder Küste organisiert.

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