Pyrotechnik : René Haut bringt Augen und den Himmel zum Leuchten

Mit dem Gefahrguttransporter bringt Großfeuerwerker René Haut seine Bomben zum Veranstaltungsort.
Mit dem Gefahrguttransporter bringt Großfeuerwerker René Haut seine Bomben zum Veranstaltungsort.

42-Jähriger aus Beselin arbeitet als Großfeuerwerker. Für seine Shows braucht er mindestens einen Tag Vorbereitung.

svz.de von
31. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Für seine Arbeit erntet René Haut regelmäßig Begeisterung. Schließlich erleuchtet der staatlich geprüfte Großfeuerwerker mit seiner Firma Starlights Fireworks Production den Himmel nicht nur heute Nacht in den strahlendsten Farben. Von seinem Können schwärmen viele Silvester-Fans, hat Haut doch unter anderem auch schon in zahlreichen Ostseebädern die Seebrücken „in Flammen gesetzt“. Sein Gesicht kennen dagegen nur wenige der Feierfreudigen – denn der Abbrennplatz als Arbeitsstätte des 42-Jährigen ist oft etwas weiter entfernt vom Veranstaltungsort.

Heute werden Hauts Künste in der Hansestadt zu erleben sein – bei einem 20 minütigen Feuerwerk. „Mein größtes war aber das bei der EU-Erweiterung nach Polen an der Grenze in Ahlbeck“, erinnert sich der Pyrotechniker. 30 Minuten hätte das reine Höhenfeuerwerk damals gedauert. Dafür wurden mehr als 11 000 Kugelbomben gezündet. „Wir Feuerwerker sprechen nämlich nicht von Raketen, wir schießen Bomben ab. Das Wort Rakete ist ein reiner Silvesterbegriff“, sagt Haut.

Der Beseliner ist seit 1996 als Großfeuerwerker tätig. „Vorher hatte ich eine Veranstaltungsagentur, die von A bis Z alles gemacht hat. Dann wollte ich mich aber auf einen Bereich spezialisieren“, erinnert sich der Familienvater. Diesen Schritt hat er bis heute nicht bereut, auch wenn die gesetzlichen Auflagen hoch sind. „Ich brauche einen Bunker für die Lagerung und einen Gefahrguttransporter für die Fahrten zum Veranstaltungsort. Außerdem eine gute Haftpflichtversicherung und zahlreiche Genehmigungen“, zählt Haut auf. Dafür erfreut er an vielen Tagen im Jahr zahlreiche Menschen. Und kann auch sich selbst immer wieder mit neuen Effekten überraschen. „Ein ganz besonderes Erlebnis war mal ein reines Wasserfeuerwerk, das ich als Begleitung für ein klassisches Konzert in Ribnitz-Damgarten machen durfte: Die Bomben werden vom Ufer oder von einer Brücke aus ins Wasser geschossen, zünden darin und starten von dort aus in den Himmel“, sagt der Experte. Das sei auch deshalb eine Herausforderung, weil es für ein reines Wasserfeuerwerk noch nicht so viele Effekte gäbe.

Der technische Fortschritt hätte einiges erleichtert. „Angefangen habe ich noch mit einem Nagelbrett – und etlichen Metern Klingeldraht für eine Kugelbombe. Heute geht das alles per computergesteuerter Zündanlage“, so Haut. Das Material, mit dem er arbeitet, stammt aus China und kommt per Schiff nach Deutschland. Auch für seine Bomben gelten die gleichen Bedingungen wie für Feuerwerkskörper im Freiverkauf: „Sie müssen eine BAM-Nummer oder ein CE-Zeichen haben, dann ist das Feuerwerk durch die Bundesanstalt für Materialprüfung abgenommen, zertifiziert und darf in Deutschland vertrieben und verwendet werden“, so Haut.

Er selbst bestellt meist ein Jahr im Voraus, was er für Hochzeiten, Firmenfeiern, Geburtstage, Veranstaltungen oder die Silvesternacht gebrauchen kann. Ein Risikospiel sei das mit dem Importgeschäft aus China immer, sagt der Unternehmer: „Container mit Gefahrgut sind auf dem Weg von China nach Deutschland auch schon mal verschwunden.“ Wobei in seiner bisherigen Karriere noch kein Feuerwerk abgesagt werden musste. Bei einem guten Pyrotechniker könnte nur das Wetter schuld daran sein, dass der Himmel dunkel bleibt, sagt der Experte. Bei einer gewissen Windstärke sowie extremer Trockenheit dürfe eben einfach kein Feuerwerk abgebrannt werden.

Dem heutigen Silvesterfeuerwerk steht von der Witterung her aber nichts entgegen. Dennoch sollte jeder, der mit Raketen umgeht, Vorsicht walten lassen. „Das Feuerwerk muss einen guten Stand und die Zuschauer genügend Abstand dazu haben“, so der 42-Jährige. „Und derjenige, der zündet, sollte Herr seiner Sinne sein.“

René Haut selbst muss heute bis zum Einbruch der Dunkelheit alles aufgebaut haben, damit pünktlich um 0 Uhr der Himmel leuchtet. Mindestens ein Tag Vorbereitung steckt in jeder Show – vom Aussuchen der Bomben über das Ausfüllen der Lagerliste bis zum sensiblen Transport und dem Aufbau. Deswegen hört René Haut an Silvester von seinen Lieben nicht „Guten Rutsch“, sondern wie vor jedem Feuerwerk „Gut Schuss“.

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