Arbeitgeber gehen neue Wege : Reifenwechsel als Wohlfühlfaktor

Mitarbeiterpflege ist für Tobias Blömer, Geschäftsführer der Firma Die Rostocker Wurst- und Schinkenspezialitäten GmbH, ein ganz entscheidender Punkt, um am Markt erfolgreich sein zu können.
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Mitarbeiterpflege ist für Tobias Blömer, Geschäftsführer der Firma Die Rostocker Wurst- und Schinkenspezialitäten GmbH, ein ganz entscheidender Punkt, um am Markt erfolgreich sein zu können.

Die Mitarbeiter werden zum wichtigsten Element in Firmen. Arbeitgeber müssen sich im Umgang mit ihnen entsprechend anpassen. Der Vorsitzende des Agrarmarketing-Vereins, Tobias Blömer, sieht Notwendigkeit zum Umdenken.

svz.de von
12. Februar 2018, 21:00 Uhr

Die Arbeitgeber müssen nach Ansicht des Vorsitzenden des Agrarmarketing-Vereins, Tobias Blömer, bei der Suche nach Mitarbeitern und im Umgang mit ihnen umdenken. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels sei die Mitarbeiterpflege das Thema der kommenden Jahre oder sogar Jahrzehnte, ist sich Blömer sicher. So gelte es, Arbeitszeiten vernünftig zu regeln und Überstunden zu vermeiden. Dazu gehöre auch, dass die Arbeitgeber dort, wo es vernünftig ist, ihren Angestellten im privaten Umfeld entgegenkommen, sagt Blömer.

So könnten die Mitarbeiter ihre Pakete in die Firmen schicken lassen. „Wir haben ja einen Pförtner, der kann die Aufgaben übernehmen“, erklärt der Geschäftsführer der Firma Die Rostocker Wurst- und Schinkenspezialitäten GmbH. Es gebe auch Vereinbarungen mit Reifenhändlern, die etwa während der Arbeitszeit der Beschäftigten kommen und die Reifen wechseln. „So können die Mitarbeiter ihre Freizeit besser nutzen.“ In gewissen Grenzen könne der Arbeitgeber so zum Dienstleister für seine Angestellten werden.

Bei der erfolgreichen Werbung um Mitarbeiter gehe es bei Weitem nicht mehr nur um das Gehalt, sondern auch um die so genannte Work-Life-Balance: „Wie können wir unseren Leuten entgegenkommen, wie können wir sie weiterqualifizieren?“, seien die wichtigen Fragen, erklärt Blömer.

Der Verein Agrarmarketing, ein Netzwerk aus 120 Firmen und Organisationen, hat die Mitarbeitergewinnung zum Hauptthema des Norddeutschen Ernährungsgipfels am 10. April in Rostock gemacht.

Blömer berichtet von einer Landfleischerei, die es geschafft habe, in einem Imagefilm die Berufe in diesem Bereich so gut darzustellen, dass sie 15 neue Lehrlinge gewinnen konnte. Die Arbeitgeber müssten wissen, dass klassische Wege allein nicht mehr reichen. „Die Jugend wird vor allem über die sozialen Medien erreicht.“

Wie Blömer berichtet, geht es der Ernährungsindustrie in MV derzeit eher durchwachsen. So wurden in der Fleischbranche einige Betriebe geschlossen. „Da war Konsolidierung angesagt.“ Gleichzeitig gebe es eine neue Start-up-Szene. „Es sind Unternehmen mit kleinen, aber feinen und hochkreativen Ideen dazugekommen.“ Sie fielen neben der Qualität auch durch hochwertige Verpackungen oder originelles Marketing auf. „Ob das nachher große Betriebe werden, sei dahingestellt. Vielleicht wollen die das ja gar nicht.“

Kommentar "Ein Ziel, viele Wege" von Torben Hinz

Früher konnten sich Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer in der Regel  aussuchen. Heute dreht sich diese Beziehung mehr und mehr: Arbeitnehmer sind begehrt und stellen Ansprüche. Deswegen wird es höchste Zeit für Unternehmen, ihre Attraktivität zu steigern. Wege zu diesem Ziel gibt es viele, vom Gratis-Bahnticket bis zur Massage am Arbeitsplatz. Aber Vorsicht: Eine zu enge Verzahnung von Arbeit und Privatleben darf nicht das Ergebnis sein. Denn die birgt ebenfalls Gefahren.
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