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Norddeutsche Neueste Nachrichten

16. Dezember 2017 | 21:41 Uhr

Wildtierhilfe : Rehkitz-Rettung aus der Luft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Verein Wildtierhilfe Mecklenburg-Vorpommern ortet Jungtiere mit Hilfe von Drohnen und rettet ihnen damit das Leben.

Ohne die engagierte Arbeit des Vereins Wildtierhilfe MV wäre ein kleines Rehkitz nicht mehr am Leben: Montag früh um 4 Uhr starteten die Ehrenamtler ihre Arbeit auf den Wiesen des Gutes Dummerstorf.

Bereits im zweiten Jahr nimmt Klaus Parr, Geschäftsführer des Gutes, das Angebot des Vereins in Anspruch und gilt damit als Vorreiter unter den Landwirtschaftsbetrieben. Unmittelbar vor der Grünschnittmahd fliegt ein Multikopter mit Infrarotkamera die Wiesen ab. Wird ein Jungtier entdeckt, stecken die Tierschützer das betreffende Areal ab, sodass dieses von den Mähwerken umfahren werden kann. „Im Herbst 2012 haben wir unsere ersten Probeflüge gestartet“, berichtet Frank Demke, Initiator der Wildtierrettung. „Immer wenn ich während der Heuernte mit meinen Hunden über die Wiesen laufe, sehe ich erschreckende Bilder, die ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme: von den Mähwerken grausam verstümmelte Rehkitze, Feldhasen und bodenbrütende Vögel“, sagt der Tierfreund.

Schätzungen zufolge sterben mehr als 500 000 Wildtiere allein in Deutschland auf diese qualvolle Weise. Besonders die Mäharbeiten zum ersten Schnitt auf dem Grünland sind für Tiere gefährlich, da hier die Jungtiere im hohen Gras kaum erkannt werden. Außerdem ist der Maschinenfahrer nicht in der Lage, beim Erkennen von Tieren die Technik noch rechtzeitig anzuhalten.

„Lange beschäftigte mich der Gedanke, wie man dieses Leid verhindern könnte“, so Demke. Die Lösung fand sich in einem GPS-gesteuerten Fluggerät, das mit entsprechenden Kameras ausgestattet ist. In Zusammenarbeit mit einem kleinen Team von Modellbau-Fachleuten ist es gelungen, einen Multikopter auf die Reise zu schicken.

Dieser ist mit einer Video- und einer hochempfindlichen Infrarotkamera ausgerüstet, die es ermöglicht, während der Liveübertragung aufschlussreiche Bilder von im hohen Gras liegenden Tieren zu liefern. Das Flugobjekt fliegt das vorgegebene Areal selbstständig nach GPS-Daten ab. „Mehrere geortete Rehkitze haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so der Tierschützer, der im Jahr 2012 den Verein Wildtierhilfe MV ins Leben rief, der dieses Projekt begleitet.

Zu den ersten Betrieben, die das ehrenamtliche Engagement der Tierschützer annahmen, gehört das Gut Dummerstorf. Da auch hier dieses Problem die Landwirte schon lange beschäftigte, recherchierte Betriebsleiter Klaus Parr im Internet. „Dabei bin ich auf die Wildtierhilfe MV gestoßen“, sagt er. „Jedes Tier, das auf unserer Wiese stirbt, ist eines zu viel“, so der Landwirt, der den Einsatz der Enthusiasten immer mit einer Spende belohnt. Klaus Parr spricht neben den tierschutzrechtlichen Gründen einen weiteren Aspekt an. Aus den verendeten Tieren, die auf diese Art in das Heu oder in die Silage gelangen, kann sich das gefährliche Botulinum-Bakterium entwickeln, dass die Rinderbestände dann stark gefährdet.

Mittlerweile hat Initiator Frank Demke ein zuverlässiges Team von Tierschützern an seiner Seite. „Hier kann ich meinem Hobby, das früher nur Spaß war, einen größeren Sinn geben“, sagt Jörg Ahrens, begeisterter Modellflieger. Auch Kathleen Käding-Falke, die als Tanzlehrerin arbeitet, opfert ihre Freizeit gern, um den Tieren zu helfen. „Die Resonanz auf unsere Arbeit ist super“, resümiert Frank Demke, der sogar aus Bayern und Schleswig-Holstein Telefonanrufe erhielt. Da aber alle Tierschützer ehrenamtlich in ihrer Freizeit arbeiten, ist eine Hilfe derzeit den regionalen Landwirtschaftsbetrieben vorbehalten.

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