Regiopole Rostock will ans große Geld

svz.de von
25. Juni 2012, 08:42 Uhr

Steintor-Vorstadt | Mehr Gewicht, mehr Einfluss, mehr Geld: Rostock will seinen Status als Regiopole ausbauen und so an die Fleischtöpfe von Bund, Land und EU. Gestern unterzeichneten Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und Vertreter des Landkreises, der Industrie- und Handelskammer sowie drei anderer Partner einen Kooperationsvertrag. "Wir wollen zusätzliches Selbstbewusstsein tanken und es nach außen demonstrieren", sagt Methling. Schließlich sei Rostock die wichtigste Stadt und einzige Regiopole im Land.

"Es geht um Fördergelder", sagt Thomas Leuchert (SPD), Landrat des Landkreises Rostock und Vertreter des Planungsverbands Region Rostock. Die Zusammenarbeit innerhalb der Region sei notwendig, um bei deren Vergabe berücksichtigt zu werden - gerade auch im Hinblick auf die nächste EU-Förderperiode. "Da können wir schnell von Metropolen wie Hamburg oder Berlin abgehängt werden", so Leuchert. Das zeigten die Erfahrungen der Vergangenheit. So blieb Rostock etwa im von der Ministerkonferenz für Raumordnung formulierten Leitbild "Wachstum und Innovation" unberücksichtigt. Leuchert drängt nun auf schnelle Ergebnisse des Modellprojekts Regiopolregion Rostock.

Vorweisen soll diese Christina Semlow. Die 28-Jährige hat seit Mai die Projektleitung inne und will die Region als starken Standort zwischen Kopenhagen und Malmö, Stettin, Hamburg und Berlin positionieren. "Rostock ist als Brückenkopf innerhalb der Verkehrsachse Skandinavien-Adria wichtig", sagt Semlow. Das zeige auch die Aufnahme in das Kerntransportnetz der Europäischen Union als einem von insgesamt zehn Korridoren. Neben der Infrastruktur will sie aber auch die Bereiche Bildung und Kultur stärken. Durch gemeinsame Projekte, etwa in den Schulen, sollen die Partner ihr Bekenntnis zur Regiopolregion nach außen hin sichtbar machen. "Es geht um die Vernetzung der Stadt mit dem Umland", so die studierte Humangeografin, Anglistin und Medienwissenschaftlerin. Eine Möglichkeit dazu sei ein Regiopolen-Ticket, als Zeichen der Verbundenheit. Dieses könnte Teil eines strategischen Entwicklungsplans sein, der innerhalb des kommenden Jahres aufgestellt werden soll.

Rostock arbeitet seit 2006 an der Anerkennung seines Status als Regiopole durch die Regierung. Der Begriff selbst geht auf Wissenschaftler der Uni Kassel zurück, die eine Kategorie für kleinere Großstädte außerhalb von Metropolregionen gesucht hatten. "Regiopolen sind die kleinen Schwestern der Metropolen", sagt Semlow. Insgesamt hätten die Wissenschaftler in Deutschland 33 potenzielle Regiopolen identifiziert. Sie müssen mehr als 100 000 Einwohner vorweisen können und über ein großes Potenzial an Wissen und Innovation verfügen. "Rostock ist der Prototyp", so Semlow. Keine andere Stadt arbeite so intensiv an ihrem Status. So initiierte sie 2009 das 1. Nationale Regiopolen-Forum und organisierte im Folgejahr eine Konferenz mit den Bürgermeistern der Region.

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