Rostock : Reederei sucht Schiffsmechaniker

Wiederholt im Rostocker Revier: der von Laeisz bereederte Gastanker „Yara Kara“  Fotos: rfra
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Wiederholt im Rostocker Revier: der von Laeisz bereederte Gastanker „Yara Kara“ Fotos: rfra

Laeisz-Manager beim Nautischen Verein. Nachwuchs für „Polarstern 2“ gefragt. Spezielle Ansprüche für den Betrieb der Gastanker. #wirkoennenrichtig

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17. Januar 2018, 12:00 Uhr

Die Reederei F. Laeisz bereitet sich auf die „Polarstern 2“ vor, deren Bau sie im Auftrage des Alfred-Wegner-Institutes von der Planung an begleitet und die sie künftig auch betreiben soll. Noch laufen die Vorkehrungen, aber voraussichtlich 2021 soll das neue Forschungsschiff bereits einsatzklar sein. Langfristige Planung ist dabei wichtig für das in Rostock, Hamburg und Bremerhaven ansässige Unternehmen, erklären Geschäftsführer Harald Schlotfeldt und Volker Uecker, Personalleiter See, auf einer Veranstaltung des Nautischen Vereins auf der „Royal Helena“ im Stadthafen. So muss das Bordpersonal natürlich rechtzeitig zur Indienststellung des Schiffes bereitstehen. Da voraussichtlich die alte und die neue „Polarstern“ eine Weile parallel auf Reisen gehen, heißt das für zwei Forschungsschiffe die Besatzungen nebst Ablöser parat zu haben.

Schon im vergangenen Jahr wurde deshalb auch die Werbetrommel für seemännischen Nachwuchs gerührt. Die Reederei will zum 1. April gleich zehn bis zwölf Azubis für die Schiffsmechaniker-Ausbildung gewinnen und nach der Lehre damit sogleich die Besatzungen auffüllen. Die Resonanz sei bislang verhalten, lässt der Laeisz-Personalleiter durchblicken. Der Seemannsberuf ist nicht mehr so attraktiv wie einst, trotz umfangreicher Förderung gingen die Ausbildungszahlen der deutschen Reedereien in den vergangenen Jahren deutlich zurück – auch bei Laeisz. „Wir wollten ja nicht für die Arbeitslosigkeit ausbilden“, begründet das Harald Schlotfeldt auf die Frage eines alten Nautikers. Auch sein Betrieb hatte in den vergangenen Jahren Azubis keine großen Perspektiven im Unternehmen aufzeigen können. Als Folge der Schifffahrtskrise war entsprechend der Marktlage die Flotte geschrumpft, ging die Anzahl des Bordpersonals und auch der Mitarbeiter an Land zurück. Gegenwärtig managt das Unternehmen 29 Schiffe, beschäftigt etwa 730 Seeleute und etwa 90 Mitarbeiter an Land, davon über 70 im Haus der Schifffahrt in Rostock.

Die Flottenstruktur ist ein Mix aus zwei Bulkern, sieben Auto-Transportern, sieben Containerschiffen, sieben Gastankern und sechs Forschungsschiffen (neben der „Polarstern“ fünf kleine Einheiten). Elf Schiffe fahren unter deutscher Flagge, die weiteren sind in Liberia (sechs), Portugal (eins), Gibraltar (sechs) und Norwegen (fünf) registriert. Die gegenwärtig an Bord arbeitenden Seeleute kommen von den Philippinen (275), aus Russland (116), Kiribati (57) und Deutschland (98). Allein in der Forschungsflotte sind aktuell 54 Deutsche an Bord – das Gros auf der „Polarstern“. Dazu kommt dann noch die Urlaubsreserve, die bei den deutschen Seeleuten fast 100 Prozent beträgt. Ein Grund hierfür sei das von vielen Seeleuten bevorzugte 1:1-System (Bordzeit/ Urlaubszeit), erklärt Uecker. Inzwischen stimmen die Frachtraten wieder ein wenig optimistischer und die heimische Schifffahrtsgesellschaft konnte im vergangenen Jahr ihr seemännisches Personal durch fünf frisch gebackene Nautiker und drei Techniker aufstocken. Weitere Einstellungen sind allerdings nur im beschränkten Maße möglich, ließ der Personalleiter auf die Frage eines Seefahrts-Studenten durchblicken. Schiffsmechaniker-Azubis für die Forschungsschiffe aber werden dringend gesucht.

Dass die Anforderungen für das Bordpersonal durchaus anspruchsvoll und speziell sind, veranschaulichte Harald Schlotfeldt am Beispiel der Gastanker-Flotte, wo Laeisz beginnend mit der „Bussewitz“ langjährige Erfahrungen im Ammoniak-Transport aufweisen kann. Seit 2004/ 2005 bereedert sie die Gas-Carrier „Polar“ und „Pacific“. Inzwischen ist sie seit 2016 auch Dienstleister für fünf Gastanker des norwegischen Düngemittel-Produzenten Yara.

Das sind drei kleinere und zwei größere Spezialschiffe für den Transport von petrolchemischen Gasen und Ammoniak – ausgelegt für eine Kapazität 20 600 und 38 000 Kubikmetern. Die kleineren, wie die „Yara Kara“, „Yara Nauma“ und „Yara Sela“, waren wiederholt auch schon mit Ammoniak-Zufuhren für das Düngemittelwerk in Rostock im heimischen Hafenrevier zu sehen.

Schlotfeldt zeigt Bilder der Schiffe, so auch Details der Abgasreinigungs- und Ballastwasser-Aufbereitungsanlagen, die ein Fingerzeig auf die Ansprüche des Eigners und der Reederei nach hohen Umweltstandards sind. Im Rahmen des regulären ISO Audits hat sich F. Laeisz erfolgreich zusätzlich nach den ISO Normen 50001 (Energiemanagement) und 18001 (Arbeitsschutzmanagement) zertifizieren lassen.

Oberste Priorität sei und bleibe ein sicherer, umweltfreundlicher und kundenorientierter Schiffsbetrieb, betont der Laeisz-Manager. Dass dafür alles Notwendige an Bord und an Land getan werde, das müsse man auch bei den verschiedenen Audits unter Beweis stellen können.

Gas fahren sei Physik, das Zusammenspiel von Druck und Temperatur, was jeder im Detail kennen muss. Dazu gehöre Erfahrung mit der komplexen Technik bis hin zur aufwendigen Sensorik, auf die sich jeder erst einzufuchsen hat. So mancher aus der Runde gestandener Seeleute und des künftigen seemännischen Nachwuchses staunte nicht schlecht über die umfangreichen Fragenkataloge der Inspektionen, die zwar bürokratischer Aufwand zu sein scheinen, aber letztlich Risiken bei den Transporten und dem Löschen der sensiblen Frachten minimieren.

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