Rostock: Ausstellungsplakat beschädigt : Rechte Schmiererei am Max-Samuel-Haus

<strong>Anzeige gegen Unbekannt:</strong> Frank Schröder schildert Polizeioberkommissar Jörg Krüger, was geschehen ist. <foto>Georg Scharnweber</foto>
1 von 2
Anzeige gegen Unbekannt: Frank Schröder schildert Polizeioberkommissar Jörg Krüger, was geschehen ist. Georg Scharnweber

Unbekannte haben ein Ausstellungsbanner am Max-Samuel-Haus beschmiert. Die Mitarbeiter der Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur, wo die Schmiererei gestern entdeckt wurde, sind entsetzt.

svz.de von
23. Januar 2013, 08:41 Uhr

Stadtmitte | Unbekannte haben ein Ausstellungsbanner am Max-Samuel-Haus beschmiert. Die Mitarbeiter der Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur, wo die Schmiererei gestern entdeckt wurde, sind entsetzt. "Das ist eine gezielte antisemitische Provokation, wenige Tage vor dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar", sagt Frank Schröder, wissenschaftlicher Projektleiter des Max-Samuel-Hauses.

Das Banner, das auf die Ausstellung zum Schicksal der deutsch-jüdischen Familie Josephy hinweist, ist in der Nacht zu gestern oder am Vormittag mit schwarzer Farbe bekliert worden. Bärte und Zigarren wurden dabei über die Porträts der jüdischen Eheleute Joseph und Marianne Josephy gemalt. "Als ich das sah, war mir sofort klar, dass es sich nicht um einen Dumme-Jungen-Streich handelt", so Schröder. Art und Inhalt der Schmierereien stünden eindeutig in der Tradition antisemitischer Karikaturen, der Darstellung des dicke Zigarren rauchenden, spitzbärtigen, geldgierigen jüdischen Kapitalisten, so der wissenschaftliche Projektleiter. Schnell entschied er sich, die Polizei zu informieren und Anzeige zu erstatten.

Zwei Beamte waren gestern Nachmittag schnell vor Ort, um den Fall und Aussagen der Mitarbeiter aufzunehmen. Das beschmierte Plakat nahmen die Polizisten für die weiteren Ermittlungen mit. Weil die Möglichkeit eines rechten Hintergrundes der Tat besteht, soll der Staatsschutz dabei hinzugezogen werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Max-Samuel-Haus Ziel von antisemitischen Angriffen geworden ist. Bittere Erfahrungen haben die Mitarbeiter der Begegnungsstätte auch schon mit diffamierenden Wurfzetteln gemacht. "Was mich dieses Mal besonders betroffen macht, ist, dass es reale Porträts von Menschen sind, die da beschmiert worden sind", sagt Schröder. Er hofft trotz des Angriffs von gestern auf ein würdiges Gedenkkonzert am 27. Januar im Max-Samuel- Haus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen