zur Navigation springen

Rostock Groß Klein : Rechte marschieren während Sitzung des Ortsbeirats auf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Demonstranten gegen Flüchtlinge sorgen für Unterbrechung in Groß Klein

Während der laufenden Ortsbeiratssitzung sind am Dienstag Vermummte vor dem Börgerhus in Groß Klein aufmarschiert. Sie skandierten „frei, sozial, national“ und hielten Banner mit den Aufschriften „Bleiberecht für alle – und zwar Zuhause“ oder „Unser Kiez. Unsere Regeln“ hoch. Die rechten Demonstranten gehören dem selben Bündnis an, das seit Wochen gegen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Stadtteil vorgeht. Letztere werden – zusammen mit Kindern und Jugendlichen aller Nationalitäten im Viertel – vom Verein Neue ohne Barrieren betreut, der sich und seine Arbeit auf der Sitzung vorstellte.

„Wir waren erstmal geschockt“, sagt Ortsbeiratsvorsitzender Uwe Michaelis (SPD). Er unterbrach die ohnehin emotional sehr aufgeladene Sitzung zeitweise, auch die Polizei wurde eingeschaltet. „Es wurde langsam unsachlich und der Tonfall sehr laut seitens einiger Einwohner“, sagt Michaelis. Die beschwerten sich ihm zufolge beispielsweise darüber, sich im Dunkeln nicht mehr raus zu trauen, angepöbelt zu werden, Spielplätze meiden zu müssen oder als Frau mit den Blicken ausgezogen zu werden. Inwieweit die Vorwürfe begründet sind, sei allerdings schwer nachzuprüfen, so Michaelis. Er sagt: „Dass es Sorgen und Ängste gibt, ist nachvollziehbar. Aber es wird vieles verallgemeinert und das ist nicht gut.“ Die Mitglieder des Ortsbeirats wollen nun nach der Sommerpause im August eine gesonderte Einwohnerversammlung ausrichten und dazu auch Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) einladen. „Gerade bei dem Thema macht es Sinn, mit den Leuten zu reden“, so Michaelis. Der übergroße Teil der Groß Kleiner sei weltoffen, viele würden sich zudem in der Betreuung von Flüchtlingen engagieren.

Im Internet feiern sich die rechten Demonstranten unterdessen selbst für ihre Aktion, die am Nachmittag bereits mit der Verteilung von Flugblättern begonnen hatte. Dort schreiben sie von „schmierigen Verrätern von SPD, Grüne und Co.“ und „ihrer volksfeindlichen Politik“. Man werde sich der „multikulturellen Suppe entgegenstellen“. Bereits Anfang Juni war es in Groß Klein mehrfach zu Protesten linker und rechter Gruppen gekommen. Auslöser war die Eröffnung eines Treffpunkts für junge Flüchtlinge.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Jul.2016 | 20:55 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert