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Rausgeputzt und aufgewertet - 20 Jahre Städtebauförderung

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erstellt am 01.Apr.2011 | 06:01 Uhr

Schwerin/Rostock | Der Neue Markt in Rostock: Im Krieg durch Bombenangriffe erheblich zerstört, in der DDR nur teilweise wieder aufgebaut und als Parkplatz genutzt - heute ist er ein sanierter und beliebter Platz in der Hansestadt. Der Hafen von Malchow: Einst prägte eine Sitzmöbelfabrik den Platz am Wasser, heute befindet sich dort eine der schönsten Hafenanlagen der Mecklenburgischen Seenplatte. Der Große Dreesch in Schwerin: Vor der Wende als am schönsten gelegenes Neubaugebiet der DDR bezeichnet, litt die "Platte" nach 1990 unter dem wachsenden Wohnungsleerstand. Inzwischen konnten durch Rück- und Umbau aber wieder hochwertigere Wohnungen geschaffen werden. Drei Beispiele aus 20 Jahren Städtebauförderung, die das Antlitz der Städte in MV geprägt und verändert hat.

"Wohnbedingungen haben sich deutlich verbessert"

"Was im April 1991 mit ersten Städtebaurichtlinien begann, ist inzwischen zu einer für alle sichtbaren Erfolgsgeschichte unseres Landes geworden", sagt Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Bei der Stadtentwicklung gehe es ja nicht nur darum, alte durch neue Fassaden zu ersetzen, sondern ein soziales Umfeld zu schaffen, in dem sich Menschen zu Hause fühlten, so Sellering. Dafür wurden in den vergangenen 20 Jahren in 119 Kommunen insgesamt 2,6 Milliarden Euro investiert. Mit den Städtebaufördermitteln, die zu einem Drittel von Bund, Land und Kommunen getragen werden, wurden unter anderem Denkmäler saniert, Plätze neu gestaltet und Wohngebiete aufgewertet.

"Die Wohn- und Lebensbedingungen haben sich in den weitgehend sanierten Innenstädten deutlich sichtbar verbessert", meint auch Reinhard Dettmann, Vorsitzender des Städte- und Gemeindetages. Zu Beginn der Städtebauförderung habe ein entschlossenes Bekenntnis zur Rettung der Städte gestanden, die vielerorts vom Verfall bedroht gewesen seien.

Nach Angaben des Bauministeriums waren einige der ersten geförderten Maßnahmen die Schleswig-Holstein-Häuser in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg, die Wollhalle in Güstrow, der Kirchturm St. Petri in Rostock und die Sicherung der Burg in Penzlin im Müritzkreis. Zudem seien in der Anfangszeit rund 1700 Sicherungsmaßnahmen an Häusern vorgenommen worden, die vom Verfall bedroht waren. Vom Bund flossen damals beispielsweise auch 20 Millionen Mark nach Stralsund, die zunächst in die Erde gingen: Damit wurden die maroden Leitungen unter den Straßen erneuert.

Zentren verzeichnen Einwohner-Zuwachs

Nachdem gefährdete Bausubstanz gerettet werden konnte, lag der Fokus der Städtebauförderung ab Mitte der 90er-Jahre auf der Belebung der Innenstädte. Inzwischen haben Zentren wie Rostock, Stralsund, Bad Doberan und Wismar zwischen fünf und 26 Prozent mehr Einwohner gewonnen. Stralsund und Wismar zählen zu den deutschlandweit nur sechs Altstadtensembles, die Teil des Weltkulturerbes sind.

1999 startete dann das Projekt "Soziale Stadt", um Viertel mit sozialen Problemen zu unterstützen. Vor neun Jahren kam das Programm "Stadtumbau Ost" hinzu. Hier galt es, dem zunehmenden Wohnungsleerstand durch Abriss oder Aufwertung zu begegnen. Seit 2008 zielt das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" auf die Stärkung der Zentren. Und im vergangenen Jahr wurde das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" aufgelegt, um spezifische infrastrukturelle Defizite zu beheben.

Ein neuer Schwerpunkt ist laut Bauminister Volker Schlotmann (SPD) derzeit noch nicht in Sicht. Ursache ist die von der Bundesregierung geplante weitere Kürzung der Städtebaufördermittel für das kommende Jahr. Der Bund will nach Angaben des Schweriner Bauministeriums seine Förderung von derzeit 455 Millionen Euro auf 300 Millionen Euro im Jahr 2012 senken. Dieser Plan war bereits im vergangenen Jahr verfolgt worden, die Kürzung von damals noch 535 Millionen Euro war aber niedriger ausgefallen.

2010 wurden demnach in rund 70 Kommunen Mecklenburg-Vorpommerns rund 95 Millionen Euro Städtebaufördermittel investiert.

Kürzung broschüre

Städtebau im Nordosten Zahlen und Fakten

Gefördert wurden seit 1991: 119 Kommunen
mit einem Fördervolumen von: 2,6 Milliarden Euro von Bund, Land und Kommunen


  • 9000 private Sanierungen
  • 2500 Straßen und Wege
  • 230 Parkplätze
  • 197 Rathäuser und dergleichen
  • 130 Kirchen und Klöster
  • 120 Marktplätze
  • 41 Kindertageseinrichtungen
  • 32 Schulen
  • 20 Sporthallen und Sportplätze
  • 20 Stadtmauern
  • 264 Museen und kulturelle Einrichtungen
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