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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. November 2017 | 22:19 Uhr

Raubzüge durch Rostock

vom

svz.de von
erstellt am 10.Jun.2013 | 08:07 Uhr

Rostock | "Ein Tag im Leben einer Räubergang" - so könnten die Aussagen der Angeklagten Justin M. (14), Arnold St. (15), Christian S. (23) und Andy H.(20) überschrieben werden, die sie gestern vor dem Landgericht Rostock in fröhlicher Stimmung zum Besten gaben. Das Quartett und seine beiden Mitangeklagten Benjamin V. (22) sowie Danny Tobias Sch. (19) werden beschuldigt, in wechselnder Zusammensetzung von Mai 2012 bis Januar 2013 insgesamt 25 Raubstraftaten in der Rostocker Innenstadt begangen zu haben. Die beiden Schüler gelten als Haupttäter. Sie sollen an 19 der 25 Fälle beteiligt gewesen sein.

Gestern ging es um die Taten am 20. Januar 2013. Laut Justin M. hätten sie gemeinsam beschlossen, "in der Nacht einen umzuschießen und auszurauben". Der 14-Jährige war im Besitz einer Gasdruckpistole. Um festzustellen, wie ein Mensch auf einen Schuss aus dieser Waffe reagiert, feuerte Justin vor dem KTC mehrmals auf einen Obdachlosen. Die Gang zog dann durch die Lange Straße in Richtung Steintor. Nach 2 Uhr trafen sie an der Straßenbahnhaltestelle am Neuen Markt ein. Dort wartete Henrik W. (22) in der Haltestelle Richtung Lange Straße. Arnold St. überquerte die Gleise und forderte von dem 22-Jährigen Geld und Zigaretten. Laut Aussagen der Mitangeklagten schoss Andy H. mehrmals in die Luft, dann überquerte er ebenfalls die Schienen und schlug Henrik W. zu Boden. Er stellte seinen Fuß auf den Hals des Opfers, setzte sich dann auf den Kopf des 22-Jährigen und schoss ihm auf die Hände, mit denen er seine Geldbörse festhielt, die ihm Arnold St. entreißen wollte. Justin M. und Christian S. standen Schmiere. Die Beute betrug sieben Euro.

Die Nacht verbrachten alle bei Christian S. Gegen 19 Uhr seien Andy H. und Christian S. mit Benjamin V. im Café Alex erschienen. Sie bestellten mehrere Drinks, die sie wegen der nach ihrer Meinung ungerechtfertigten Rechnungshöhe nicht bezahlen wollten. Es kam zu einem Streit, in dessen Verlauf Christian S. um sich schlug und einen Sessel in Richtung eines Gastes warf, der den Streit schlichten wollte.

Auf der Kröpeliner Straße schlug Andy H. gegen 21 Uhr einen Passanten nieder, trat und schubste ihn. Die ganze Crew traf sich anschließend bei McDonald’s. Nach einer wüsten Flucht wurden alle Beteiligten noch in der Nacht verhaftet.

Im Gegensatz zu den Mitangeklagten bestritt Andy H., dass die Tat geplant war. "Ich habe auch nicht geschossen", sagte er gestern. Auf Nachfrage der Staatsanwältin sagte Arnold St. aus, er sei im Zentralgewahrsam von Andy H. aufgefordert worden, die Schuld auf sich zu nehmen und ihn zu schützen. Das bestätigte auch Justin M. Der Prozess wird heute mit der Vernehmung erster Zeugen fortgesetzt.

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