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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. Oktober 2017 | 02:42 Uhr

Rostock : Rathaus wird zum Notquartier

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nach Rekord-Ankunft von 1300 Menschen öffnet die Hansestadt Oberbürgermeister-Sitz und Sporthallen / Neue Unterkunft in Schmarl

von
erstellt am 17.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Nach einem absoluten Rekordansturm am Bahnhof hat die Stadt in der Nacht zu Freitag erstmals sogar die Rathaushalle als Notunterkunft für 160  Flüchtlinge geöffnet. Innerhalb weniger Stunden waren nach Angaben von Stadtsprecher Ulrich Kunze 1300 Menschen in Rostock angekommen. Gestern stellte sich die Stadt sogar auf 1800 Neuankömmlinge ein. „Das ist die höchste Zahl der letzten Wochen“, sagt Kunze. An den Tagen zuvor suchten in der Regel weniger als die Hälfte eine vorübergehende Bleibe. Ihr eigentliches Ziel ist fast immer Schweden.

Um den Ansturm zu bewältigen, hat die Stadt noch gestern eine ehemalige Gewerbehalle in der Schmarler Industriestraße als Notunterkunft für 500 Menschen eingerichtet. „Dies ist ein enormer Kraftakt, den wir meistern müssen und auch meistern“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), der ausdrücklich die ehrenamtlichen Helfer und Schweden für ihren unermüdlichen Einsatz lobt.

„Der Bahnhof im Dauerbrennereinsatz – lauter Leute in der Hansestadt. Das sprengt die aktuellen Versorgungskapazitäten“, schrieb das Netzwerk „Rostock hilft“ um Mitternacht von Donnerstag auf Freitag in den sozialen Medien. Neben dem Rathaus und den seit Wochen belegten Durchlauf-Notquartieren in der Fiete-Reder-Halle, HWBR und alten Physik wurden in der Nacht noch fünf weitere Sporthallen zur Unterbringung genutzt, vor allem in der Südstadt. „Eine Übernachtung im Freien ist nicht zumutbar“, sagt Methling. Allerdings würden alle Beteiligten „an der Grenze der Belastungen“ arbeiten. Die Bundesregierung müsse daher innerhalb von Tagen wieder rechtskonforme Zustände herstellen, fordert das Stadtoberhaupt.

440 der Neuankömmlinge vom Donnerstag sind wenige Stunden später an Bord der Fähren nach Schweden gebracht worden. 100 von ihnen wurden per Bus nach Sassnitz gefahren, von wo aus sie ihre Reise fortsetzten. Die Rathaushalle war bereits um 5 Uhr morgens wieder geräumt. In den nächsten Tagen und Wochen stellt sich die Stadt auf Neuankünfte in vergleichbarer Größenordnung ein. „Das bleibt alles so“, sagt Kunze. „Wir suchen mit Hochdruck weiter nach Unterkünften.“ Auf der Liste von Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) standen zuletzt etwa 20 Immobilien, die als Bleibe infrage kommen.

Für die Versorgung der Flüchtlinge ist „Rostock hilft“ weiter auf ehrenamtliche Mitarbeiter, Sach- und Geldspenden angewiesen. Laufend werden vor allem Obst, Süßigkeiten, kleine Flaschen mit stillem Wasser und belegte Brote am Hauptbahnhof und im Sammelkeller des Unigebäudes in der Parkstraße 6 benötigt.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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