Innenstadt : Rathaus strebt Gestaltungs-Hoheit an

Glatter Aal in Rostock: „Vor solchen Flächen haben wir extrem Angst.“
Glatter Aal in Rostock: „Vor solchen Flächen haben wir extrem Angst.“

Neue Satzungen sollen privaten Bauherren in Warnemünde und der City Grenzen setzen /Ziel: Den typischen Charakter der Viertel erhalten

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05. Juli 2015, 09:00 Uhr

Die Hansestadt will sich auch bei privaten Bauvorhaben in der Innenstadt und in Warnemünde die Gestaltungshoheit sichern. Dazu hat sie das Berliner Planungsbüro Holland und Partner mit der Vorbereitung einer Satzung für den jeweiligen Bereich beauftragt. Diese sollen dazu beitragen, die typische Charakteristik der Viertel zu erhalten und setzen den Bauherren dafür Grenzen. Beispielsweise in Bezug auf die Geschosszahl, die Dachform, die Zulässigkeit von Balkonen, Vorbauten oder Werbeanlagen.

Allerdings stellt Planer Yngve Jan Holland klar: „Es ist nicht Aufgabe der Satzung, gute Architektur zu verhindern.“ Eine konkrete Ausnahmeregelung müsse aber noch gefunden werden. Das fordert auch Klaus Petersen, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, in dem Holland seine Arbeit am Freitag vorstellte: „Das ist ganz wichtig.“ Als entscheidendes Gremium könne sein Gestaltungsbeirat oder eine andere neutrale Jury dienen. Dass das generelle Vorhaben sinnvoll ist, davon ist auch Ratsmitglied Jörg Knieleing überzeugt. Er sagt: „Die Vorgaben sind gut, um den Wert aller Immobilien zu erhalten – jeder weiß, was einzelne Ausrutscher für alle anrichten können.“ Die Satzung schaffe daher nicht nur Rechtssicherheit, sondern auch Chancengleichheit und Fairness. Sie sei eine gute Ergänzung zur bereits geltenden Erhaltungssatzung und Denkmalbereichsverordnung. Allerdings fordern die Ratsmitglieder, dass das Regelwerk regelmäßig an aktuelle technische Neuerungen angepasst wird. Und auch Holland sagt: „Wir haben versucht, genügend Raum zu lassen – niemand weiß, was in 20 Jahren der aktuelle Stand ist.“

In der Innenstadt kommt die Initiative des Rathauses allerdings viel zu spät. Dort „hätte die Satzung schon vor 20 Jahren in Kraft treten müssen“, sagt Petersen. Es gebe viele völlig überbaute Flächen, die die Attraktivität des historischen Stadtkerns erheblich mindern würden. Mit der Totalüberbauung des Glatten Aals drohe bereits das nächste Fiasko. „Vor solchen Flächen haben wir extrem Angst“, sagt Petersen. Die Stadt sei gut beraten, jetzt die Reißleine zu ziehen und die Pläne des Investors, der Randalswood Germany GmbH, noch einmal zu überarbeiten. Sie hatte zuletzt einen Bauantrag eingereicht.

„Man kann nicht so weitermachen, wie nach der Wende“, so Petersen. Diese Ansicht teilt auch Holland. Er sagt: „In den vergangenen 25 Jahren ist die Rostocker  Innenstadt so extrem umgebaut worden wie in kaum einer anderen Stadt in 800 Jahren.“ Und die Altlast – der radikale Stilbruch zwischen historischer und sozialistischer Bebauung – verschärfe die Situation noch. „Hier hat die Ausnahme die Regel gebrochen“, sagt Holland.

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