Politik : Rathaus legt Theater-Konzept vor

Die Rathausspitze will aus dem Volks- ein Stadttheater machen – gegen den Willen der 274 Beschäftigten.
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Die Rathausspitze will aus dem Volks- ein Stadttheater machen – gegen den Willen der 274 Beschäftigten.

68 Mitarbeiter sollen gehen, Gastauftritte geschlossene Sparten ersetzen und ein reisendes Konzertorchester etabliert werden

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25. November 2014, 12:00 Uhr

Im Oktober hat die Bürgerschaft die Theater-Zielvereinbarung mit dem Land beschlossen und damit die öffentlichen Zuschüsse für die Bühne bis 2020 auf maximal 16,7 Millionen Euro begrenzt. Jetzt legt das Rathaus sein offizielles Konzept vor, mit dem es diese Deckelung einhalten will. Demnach sei „die Schließung von Tanz- und Musiktheatersparte die einzige Handlungsoption für die Hansestadt“. Aus dem Volks- soll ein Stadttheater mit Schauspiel und Orchester werden.

Das bedeutet: 68 der derzeit 274 Mitarbeiter müssten gehen, darunter sechs aus der Kostüm- und sieben aus der Technikabteilung. Sollten sie kein Rückkehrrecht in die Verwaltung haben, sollen sie möglichst in andere Unternehmen vermittelt werden. „Bei der Umstrukturierung soll vom Grundsatz her auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden“, heißt es im Konzept. Ganz ausgeschlossen werden sie aber nicht.

Vom Wegfall der beiden Sparten verspricht sich die Rathausspitze bis 2020 Einsparungen von insgesamt rund 9,4 Millionen Euro. Ein gewisser Vorlauf sei aber nötig: „Eine Schließung des Tanz- und Musiktheaters wäre im Sommer des Jahres 2017 möglich“, heißt es im Konzept. Noch im selben Jahr würden so im Gesamtetat rund 1,9 Millionen Euro eingespart, 2020 wären es der Modellrechnung zufolge bereits knapp 2,7 Millionen Euro.

Die Schließung der Sparten bedeute aber nicht, dass auch alle Aufführungen komplett wegbrechen. Sie sollen – in deutlich abgespeckter Form – durch eingekaufte Gastauftritte anderer Theater und Veranstalter ersetzt werden. Laut Plan gäbe es dann allerdings statt der bisher 97 Vorstellungen von Tanz- und Musiktheater nur noch etwa 35 in Rostock. Die bislang 25 Auftritte im Bereich Kinder- und Jugendtheater würden ersatzlos gestrichen. Die konkrete Zahl der Vorstellungen hänge letztlich von der Auswahl und dem Verhandlungsgeschick des Intendanten ab, heißt es.

Aufgabe der Theaterleitung sei es im Falle der Konzept-Umsetzung auch, die Norddeutsche Philharmonie zum reisenden Konzertorchester umzubauen und ihre Gastauftritte an anderen Theatern zu verstärken. Denn nach dem Wegfall der beiden Sparten in Rostock „würden zirka 41 Prozent der Kapazität nicht genutzt“. Die Alternative zur Streichung nennt die Rathausspitze auch: „Bei Fortführung des Viersparten-Modells müsste im Jahr 2020 durch das Land und die Stadt ein Zuschuss von insgesamt zirka 19,4 Millionen Euro gezahlt werden.“ Das sei nicht tragbar.

Zumal laut Verwaltung nach dem Theater-Neubau Zusatzkosten für die Miete fällig werden. Bei veranschlagten 40 Millionen Euro Gesamtbaukosten müsse die Bühne jährlich rund eine Million Euro für die Nutzung zahlen. Das Große Haus und die Theaterwerkstätten sind bislang mietfrei. Im Gegenzug muss das Theater für die Instandhaltung aufkommen. Die Bürgerschaft berät am 3. Dezember über die Konzeptvorlage.

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