Rathaus-Kaffee hilft Bauern in Afrika

Will aufmerksam machen: Alexis Schwartz ist der Koordinator des Fair-Trade-Projekts. Für ihn ist der faire Handel ein Lebensgefühl und Ehrensache.Christina Milbrandt
Will aufmerksam machen: Alexis Schwartz ist der Koordinator des Fair-Trade-Projekts. Für ihn ist der faire Handel ein Lebensgefühl und Ehrensache.Christina Milbrandt

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13. September 2012, 09:23 Uhr

Rostock | Im Rathaus ist jetzt sogar der Genuss einer Tasse Kaffee eine politische Angelegenheit. Das Heißgetränk wird nämlich nur noch serviert, wenn es aus fairem Handel stammt. Der Grund dafür: Nach einer langen Planungsphase wird Rostock morgen offiziell zur "Stadt des Fairen Handels". Der Titel soll aber nicht nur schmücken, sondern ist mit viel Verantwortung verbunden. Schließlich geht es beim fairen Handel darum, durch gerechtere Vergütung und verbesserte Arbeitsbedingungen eine neue Lebensgrundlage für Produzentenfamilien in den Entwicklungsländern zu schaffen.

Die Hansestadt steht damit vor einer sehr großen Herausforderung. Denn nur durch die Erfüllung bestimmter Kriterien ist Rostock wirklich fair. Der offizielle Beschluss über den Kaffee-Verzehr im Rathaus ist dabei nur der Anfang. Das Wichtigste ist, dass es eine lokale Gruppe gibt, die das gesellschaftliche Projekt direkt steuert. Außerdem müssen die fair gehandelten Produkte im normalen Einzelhandel und in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Kirchen angeboten werden. Alexis Schwartz, der das Projekt über das Rostocker Ökohaus koordiniert, freut sich, dass diese Aspekte nun verstärkt gefördert werden: "Die Bürgerschaft und der Oberbürgermeister bekennen sich mit dem Titel dazu, dass sie sich mit ihrer Politik aktiv für den fairen Handel einsetzen", sagt Schwartz.

Das Projekt solle aber natürlich auch die Rostocker dazu bringen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dabei hilft auch die Ausstellung, die momentan im Rostocker Hof besucht werden kann. Auf mehreren Schautafeln können sich interessierte Besucher über den Abbau und die Handelsbedingungen von Gold informieren. Das Thema ist bewusst gewählt.

Der etwas höhere Preis hält vom Kauf nicht ab

"Die meisten Leute bringen den fairen Handel mit Kaffee und Schokolade in Verbindung. Wir wollen so zeigen, dass es in der Produktpalette im Prinzip kaum Grenzen gibt", so Schwartz.

Der 34-Jährige hat sich schon in seiner Jugend bei Greenpeace engagiert und ist froh, einen Beruf zu haben, mit dem er etwas bewegen kann. "Die Erfolge sind schwer zu messen, aber ich bin mir sicher, dass meine Aktivitäten langfristige Denkanstöße geben", sagt Schwartz. Er selbst versucht, als Verbraucher ausschließlich fair gehandelte Lebensmittel einzukaufen. Allerdings gestatte er sich in seltenen Fällen auch mal kleine Ausrutscher, wie den Kauf einer Markenschokolade. Dass die fair gehandelten Waren etwas teurer sind, ist für Schwartz kein Hindernis: "Wenn man sich vor Augen führt, in welchen Verhältnissen Menschen überall auf der Welt im konventionellen Handel arbeiten, sollte man gerne bereit sein, ein bisschen mehr zu bezahlen."

Schwartz investiert sehr viel Zeit in das Projekt, ist oft noch nach dem Feierabend mit der Organisation beschäftigt. Mit der Verleihung des Titels "Stadt des Fairen Handels" geht die Arbeit allerdings erst richtig los. Damit die Rostocker in Zukunft auch in ihren Lieblingsrestaurants fair essen können, möchte Schwartz näher an die Gastronomen heranrücken: "In diesem Bereich steckt sehr viel Potenzial, deshalb werde ich in meiner Arbeit den Schwerpunkt darauf legen." Die Idee, Rostock könne an dem internationalen Projekt teilnehmen, entstand schon in Frühling 2011 und wurde im vergangenen September einstimmig von der Bürgerschaft beschlossen. Rostock ist die erste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, die den Titel erhält. Rostock wird Fair Trade Stadt: Titelverleihung morgen von 15 bis 17 Uhr im Rostocker Hof. Das Fest mit Modenschau und Musik soll einen Einblick in die Vielfalt des Fairen Handels geben. Felicia Evangelista des Rosario von der Kakao-Dachorganisation Conacado aus der Dominikanischen Republik ist dabei.


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