NNN-Serie gesund in rostock : Radiologie stellt Weichen für eine gute Behandlung

Auf den Röntgenbildern konnte Radiologe Dr. Klaus-Rainer Bogun erkennen, dass Rüdiger Koos ein Loch in der Darmwand hat.
Auf den Röntgenbildern konnte Radiologe Dr. Klaus-Rainer Bogun erkennen, dass Rüdiger Koos ein Loch in der Darmwand hat.

Diagnose und Therapie: In der Abteilung von Chefarzt Klaus-Rainer Bogun beruht alles auf bildgebenden Verfahren

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27. August 2015, 08:00 Uhr

„Es gibt kaum ein medizinisches Fachgebiet, über das die Bevölkerung so wenig weiß und über das so viele Missverständnisse kursieren wie die Radiologie“, sagt Dr. Klaus-Rainer Bogun, Chefarzt der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Südstadt. „Die Radiologie wird oftmals mit der Strahlenbehandlung gleichgesetzt. Das ist aber nur ein Teilbereich. Unsere Abteilung befasst sich mit allen Methoden der Bildgebung.“ Folglich sei die Radiologie ein wichtiges diagnostisches Werkzeug. Etwa 65 000 Untersuchungen und Behandlungen würden jährlich von den Mitarbeitern der Abteilung durchgeführt. „Alle brauchen Bilder. Insofern ist die Radiologie eine bedeutende Schnittstelle im Klinikum“, erklärt die Leitende Oberärztin Dr. Anne-Caterine Bartolomaeus. Die bildgebenden Verfahren könnten rund um die Uhr durchgeführt werden. „Es ist jederzeit Fachpersonal vor Ort“, so Bartolomaeus. Die Herausforderung bestehe darin, für jeden Patienten das Verfahren mit der größten Aussagekraft anzuwenden. „Bei einem Verdacht auf eine Hirnblutung würden wir uns für ein Schnittbildverfahren wie die Computertomografie entscheiden“, erklärt Chefarzt Bogun. Bei Schwangeren oder Kindern wiederum seien die Mediziner sehr zurückhaltend mit dem Einsatz von Röntgenverfahren. Die Strahlenbelastung berge Risiken. Vor allem die Geschlechtsorgane sowie die Augenlinsen seien besonders strahlenempfindlich. „Wir bekommen im Herbst ein neues Röntgengerät, mit dem die Strahlenbelastung weiter reduziert werden kann“, verrät Bogun. Dem Patienten Rüdiger Koos konnte mit dem Röntgen geholfen werden. Er kam mit starken Unterbauch-Schmerzen in die Notaufnahme des Klinikums Südstadt. „Ich war wie benebelt, hatte unerträgliche Schmerzen“, erinnert sich der 60-Jährige. Die Computertomografie zeigte warum: Koos hatte ein Loch in der Dickdarmwand. „Nachdem wir das gesehen haben, wurde sofort eine OP eingeleitet“, erzählt Chefarzt Bogun. Noch in derselben Nacht wurde Koos operiert. „Die Situation war für den Patienten lebensbedrohlich. Sie wurde ausgelöst durch eine Entzündung“, sagt Bogun. „Bei dem Eingriff wurde das Darmstück mit der Entzündung entnommen. Anschließend wurden die Enden vernäht“, erklärt der Radiologe. Nun müsse sich einerseits die Entzündung zurückbilden, andererseits müsse sich der Patient von dem Eingriff erholen. „Meine Frau hat mich in die Klinik gebracht. Ich weiß, dass ich eine gute Frau habe“, sagt Koos. „Wir haben zwar jetzt unseren Urlaub in Schweden verpasst, aber ich bin froh, dass mir das nicht dort passiert ist“, ergänzt er.

Die radiologische Abteilung dient neben der Diagnosefindung auch der Behandlung – bildgesteuert und besonders schonend. Angewandt wird dazu eine Technik, bei der die Körperoberfläche nur durch einen Nadelstich oder einen winzigen Schnitt verletzt wird. Diese Eingriffe erfolgen meist in örtlicher Betäubung. Darüber hinaus können auf diese Weise Gewebsproben entnommen werden, beispielsweise aus erkrankten Organen, auch wenn sie sich an schwer zugänglichen Stellen befinden. Zudem spiele die Tumorbehandlung in der Abteilung eine Rolle. Bösartiges Gewebe könne zum Beispiel mithilfe lokal angewandter Hitze zerstört werden. Eine bleistiftminendicke Sonde wird dazu durch die Haut direkt in das tumorös veränderte Gewebe der betroffenen Organe eingeführt. Über die Sonde wird das umgebende Gewebe erhitzt und verkocht. Tumore bis 4 Zentimeter könnten so behandelt werden. Welche Behandlung am Ende dem Patienten empfohlen wird, besprechen Tumorspezialisten verschiedener Fachrichtungen gemeinsam in den Tumorkonferenzen des Klinikums.

„Die Bedeutung bildgestützter Eingriffe im Krankenhaus nimmt stetig zu“, sagt Bogun. Er und sein Team würden im Jahr etwa 2000 solcher Eingriffe durchführen. Generell hätte die Diagnostische und Interventionelle Radiologie das Ziel, mit den bildgebenden Verfahren zur bestmöglichen Behandlung beizutragen.

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