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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. September 2017 | 10:20 Uhr

Auszeichnung : Rabbi Wolff wird Ehrenbürger

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Zu seinem 90. Geburtstag am Montag will die Hansestadt Rostock ihn für sein herausragendes Engagement auszeichnen.

Bundespräsident Joachim Gauck, Schriftsteller Walter Kempowski, Historiker Yaakov Zur und jetzt Landesrabbiner William Wolff: Aus Anlass seines 90. Geburtstags am Montag soll ihm die Ehrenbürgerschaft Rostocks verliehen werden. Es wäre erst die vierte seit 1990 und die 22., seit Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher 1816 als erster von der Hansestadt ausgezeichnet wurde. So schlägt es Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) auf Antrag der Jüdischen Gemeinde und deren Förderverein Arnold Bernhard vor.

Wolff sei ein „Brückenbauer zwischen den Welten“, lobt Nitzsche. Stets habe er sich mit versöhnenden Worten im interreligiösen Dialog und im politischen Diskurs eingebracht. „Versöhnung, ohne jemals das Verbrechen des Holocaust zu vergessen, das war und ist sein Anliegen“, sagt Nitzsche. Außerdem habe der Landesrabbiner sich nachdrücklich für eine demokratische, weltoffene Rostocker Gesellschaft eingesetzt und sich entschieden gegen Rassismus, Fremdenhass und Antisemitismus positioniert. Auch damit habe er vor und nach seiner offiziellen Amtsübernahme im Jahr 2002 das politische und kulturelle Leben in der Hansestadt wesentlich geprägt, so Nitzsche.

Und trotz seines fortgeschrittenen Alters macht Wolff es immer noch: Gestern leitete der 89-Jährige den jüdischen Gottesdienst in der Synagoge, heute um 9.30 Uhr ebenfalls. Dabei ist er seit März 2015 nur noch ehrenamtlich tätig. „Für mich ist das genau so ein Typ, den wir in den scheinbar komplizierten Zeiten brauchen“, sagt Gemeindevorsitzender Juri Rosov. „Er ist ein Mensch, der verbindet.“ Das sei auch an seiner Fangemeinde zu sehen, der die unterschiedlichsten Menschen von ganz links bis konservativ angehörten. „Unsere Gemeinde ist von der Idee begeistert, die ursprünglich von Rostocker Bürgern kam“, sagt Rosov.

Unterstützung für den Vorstoß kommt auch von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Eine Auszeichnung sei auch für die Hansestadt eine große Ehre. „Sie verbindet unseren Dank an William Wolff mit der Verpflichtung, für seine Ideale der Weltoffenheit, Liberalität und Demokratie einzutreten“, sagt Methling. Der Landesrabbiner habe entscheidenden Anteil daran, jüdisches Leben wieder sichtbar in Rostock zu etablieren. „Daher freue ich mich schon jetzt auf den Festakt“, erklärt der Rathauschef. Die Verleihung solle Teil der zweiten Jüdischen Kulturtage werden, deren erste Auflage in Rostock im vergangenen November gefeiert worden war.

Zunächst muss dem Vorhaben allerdings erst die Bürgerschaft zustimmen. Sie tagt am 1. März. Rabbi Wolff hat seine Bereitschaft zur Annahme der Auszeichnung bereits telefonisch erklärt. Seit 2014 ist er bereits Ehrenbürger von Schwerin.

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