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22. November 2017 | 16:00 Uhr

Walkendorf : Quälerei im Kaninchenstall

vom

Auf dem Gelände am Ortseingang von Walkendorf ist alles ruhig. Nur noch wenig deutet auf die Zustände hin, die drei Mitglieder der Tierrechtsorganisation Peta hier bei einer Aktion vorfanden.

svz.de von
erstellt am 18.Nov.2011 | 06:57 Uhr

Rostock | Auf dem Gelände am Ortseingang von Walkendorf (Landkreis Rostock) ist alles ruhig. Ein paar provisorische Ställe stehen herum. Nur noch wenig deutet auf die Zustände hin, die drei Mitglieder der Tierrechtsorganisation Peta hier bei einer Aktion vorfanden.

Rückblick: Stefan Bröcking dringt abends zusammen mit zwei Kollegen auf das Gelände vor. Tage zuvor hatten die Aktivisten einen anonymen Hinweis bekommen, dass der Besitzer seit Jahren Tiere quäle. Als die Tierschützer in den notdürftig zusammengezimmerten Ställen stehen, sind sie entsetzt: Drei Hunde sitzen in winzigen Zwingern, zwei von ihnen haben nichts zu trinken. Die Tiere liegen erschöpft am Boden, umgeben von ihrem eigenen Kot. Neben den Zwingern steht eine Holzbox mit Kaninchen, auch hier haben die Tiere nichts zu trinken. Eines der Kaninchen liegt im Sterben, das Tier ist deformiert, es atmet nur noch schwer. An einem Auge krabbeln Maden entlang. Die drei Tierschützer versuchen das Tier zu retten, doch es stirbt. Auf der verkoteten Schaf- und Pferdewiese liegen Glasscheiben und Schrott herum. Die Aktivisten haben genug gesehen: Sie rufen die Polizei und das Veterinäramt, fordern die Behörden auf, einzugreifen. "Uns werden immer wieder solche Fälle gemeldet", sagt Stefan Bröcking.

Dass Menschen zu Tierquälern werden, dafür gibt es laut Peta-Mitarbeiter Edmund Haferbeck zahlreiche Gründe. Vor allem die Erziehung spiele eine Rolle. "Viele Menschen haben beigebracht bekommen, dass Tiere zum ausnahmslosen Nutzen der Menschen da sind", so Haferbeck. Die größte Kritik übt er allerdings an den Veterinärämtern. "Die Behörden segnen sogar gröbste Tierquälereien ab, stehen zu 99 Prozent auf der Seite der Tierquäler und sehen Tierrechtler als gefährliche Gegner an", holt Haferbeck aus. Er kritisiert, dass Tierärzte auch im Studium zu wenig für den Tierschutz ausgebildet würden.

Einschätzungen, die Elisabeth Dey nicht teilen kann. Die Leiterin des Veterinäramtes im Landkreis Rostock findet auch, dass es an den Zuständen in Walkendorf einiges auszusetzen gab. Allerdings sei keine Grundlage gegeben gewesen, ein Tierhaltungsverbot gegen den Besitzer der Tiere auszusprechen. Scharfe Konsequenzen gegen den Mann hat das Veterinäramt nicht eingeleitet. "Wir waren nach der Aktion allerdings schon drei Mal dort, um die Auflagen, die wir gestellt haben, zu kontrollieren", unterstreicht Dey. Dazu habe etwa gehört, die Ställe zu säubern und die Zwinger zu vergrößern. Ergebnis der Überprüfungen: Auflagen erfüllt.

Auf der Peta-Internetseite ist ein Video der Aktion zu sehen (www.peta.de/web/walkendorf.5045.html). Nahezu 34 000 Mal wurde es bisher angeklickt. "Die Machart dieses Films finde ich übertrieben", sagt die Amtsleiterin. Sie ist sich sicher, dass der Film reißerische Tendenzen hat und den Boden der reinen Sachlichkeit verlässt.

Und noch etwas stößt der Amtsleiterin sauer auf: Auf der Seite ermutigt die Organisation dazu, ein elektronisches Protestschreiben persönlich an Amtsleiterin Dey zu schicken. 8251 solcher Mails hat Dey bisher erhalten. Ihr Mailordner platzt an manchen Tagen aus allen Nähten. Gegen Protest hat Dey zwar nichts einzuwenden. "Aber, wenn so eine riesige Flut von Mails kommt, dann kann ich darauf natürlich kaum noch persönlich reagieren und es entsteht außerdem die Gefahr, dass wichtige Mails untergehen", sagt die Tierärztin.

Doch egal, ob tausende Mails von Tierrechtlern eintreffen oder nicht: Über mangelnde Arbeit können sich Dey und ihr Team so oder so nicht beschweren. Denn die Fälle von Tierquälereien, Anzeigen und Hinweisen nehmen zu. "Viele Menschen sind überfordert mit der Tierhaltung, dieser Trend ist ganz deutlich zu erkennen."

Das zeigt auch ein aktueller Fall aus Welzin bei Lübz. Hier lag ein Hund tot in seinem Zwinger. Vermutlich verhungerte das Tier. Die Besitzer hatten den Hund nach ihrem Wegzug aus dem Ort zurückgelassen und einen Mann mit der Fütterung beauftragt. Damit war der Mann, offenbar das, was viele Tierhalter zunehmend zu sein scheinen: überfordert.

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