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Norddeutsche Neueste Nachrichten

11. Dezember 2017 | 03:23 Uhr

Psychoterror am Telefon

vom

svz.de von
erstellt am 16.Dez.2011 | 10:11 Uhr

Rostock | "Wir werden Sie wieder und wieder anrufen und all unsere Mittel einsetzen, ersparen Sie sich diesen leidvollen Weg", droht die Männer-Stimme vom Band Michaela Schmidt* durchs Telefon. Einen Tag zuvor hatte die Firma NTT Telco (Europe) Inc. ihr bereits eine Mahnung geschickt. Schmidt habe im Oktober 2010 einen telefonischen Vertrag mit dem Gewinnspieleintragsdienst Winfinder abgeschlossen, der seine Ansprüche in Höhe von 168,30 Euro nun an NTT Telco übertragen habe.

Mit Methoden, die an Psychoterror erinnern, versucht ein gewisser Ivan Milosevic, der als Manager Außenstände auftritt, nun, die angeblich ausstehende Rechnung einzutreiben. Dabei übt er massiv Druck auf die Betroffenen aus, versucht, sie einzuschüchtern. So heißt es etwa in seinem Mahnschreiben: "Unser Zusammenleben basiert auf Regeln und der Einhaltung derselben. Ich gehe davon aus, dass auch Sie ein rechtschaffener Bürger sind, der seinen Verpflichtungen nachkommt und keinen Ärger mit Anwälten und Gerichten wünscht." Der bereits ausgefüllte Überweisungsträger ist dem Schreiben schon beigefügt, die gesetzte Frist auf wenige Tage begrenzt.

Die Neue Verbraucherzentrale schlägt bereits Alarm, wittert Abzocke. "Verbraucher sollten genau prüfen, ob der behauptete Vertrag geschlossen wurde und gegebenenfalls die Forderung zurückweisen", sagt Beraterin Sylke Sielaff. Das sollten sie am besten schriftlich machen, um jedes Risiko auszuschließen.

Verbraucherzentralen in ganz Deutschland warnen seit mehr als einem Jahr vor NTT Telco und seinem Vorgänger, dem Gewinnspieleintragsdienst Winfinder. Seit September 2010 hat Winfinder in großem Stil Betroffenen einen Vertrag über das dubiose Gewinnspiel-Abo unterzuschieben versucht. In der Folge wollte das Unternehmen die geforderten Beträge über die Telefonrechnung einziehen. Schon damals ging die Firma zu den ständigen Drohanrufen über - per Bandansage. "Ich fand es besonders dreist, mich mit einem Anruf unter Druck setzen zu wollen", sagt Michaela Schmidt.

Verbraucher sollten die Anrufe ignorieren, sofort auflegen und bei wiederholter Belästigung die Polizei einschalten, rät Beraterin Sielaff. Generell sollten sie am Telefon keine Verträge abschließen oder persönliche Daten preisgeben. Hat der Anbieter es versäumt, seinen Neukunden über seine Widerrufsrechte aufzuklären, sei ohnehin jeder Vertrag hinfällig. Dann könne er jederzeit widerrufen werden.

*Name geändert

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