Pseudo-Wehrgerechtigkeit

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01. August 2009, 08:22 Uhr

Christoph SlangenEiner Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der derzeitigen Wehrpflichtpraxis sind die Karlsruher Richter einmal mehr ausgewichen. Doch geklärt werden muss die Frage. Wenn nur noch jeder Fünfte eines Jahrgangs eingezogen wird, wird die Wehrgerechtigkeit zur Farce. Und die spitzfindigen Begründungen und formalen Rechnungen des Bundesverteidigungsministers - und manches Gerichts - überzeugen nicht. Denn die Zahl der tatsächlich verfügbaren Wehrpflichtigen als Maßstab für die Erfüllung oder Nichterfüllung der Wehrgerechtigkeit, kann nach Belieben manipuliert werden: Es werden großzügig Ausnahmetatbestände geschaffen oder die körperlichen Anforderungen immer weiter hinauf gesetzt. So erhält man eine immer höhere Zahl von Ausnahmen und Untauglichen. Der verbleibende Rest trägt die Last allein, an ihm wird Wehrpflicht und vermeintliche Wehrgerechtigkeit durchexerziert. Fraglos hat die Wehrpflicht mit dem Ideal des Staatsbürgers in Uniform unschätzbare Vorteile. Doch um des Prinzips willen mit Rechentricks zu arbeiten und die Lasten einseitig wenigen aufzubürden, ist falsch. Wer die Wehrpflicht erhalten will, sollte auch über eine weitere Verkürzung der Dienstzeit nachdenken: Kürzer dienen, dafür aber mehr Männer eines Jahrgangs einziehen. Eine reine Berufsarmee kann nicht die bevorzugte Vorgehensweise sein, eine Pseudo-Wehrgerechtigkeit jedoch ist auch kein befriedigender Dauerzustand.

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