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Renaissance-Kanzlei in Rostock : Prunkstück in St. Marien restauriert

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Renaissance-Kanzel wieder in Betrieb genommen

Sie war von Holzwürmern zerfressen, ausgeblichen und im Inneren bedeckt von dicken Staubschichten. Doch jetzt erstrahlt die fast 500 Jahre alte Renaissance-Kanzel in der Rostocker Marienkirche wieder in neuem Glanz. „Wir freuen uns, eines der bedeutendsten Ausstellungsstücke der Kirche wieder in Gebrauch nehmen zu können“, sagt Tilman Jeremias, Pastor der Innenstadtgemeinde.

Zwei Jahre hat das Team um Restaurator Marcus Mannewitz an dem Bauwerk gearbeitet. Dabei hatte die Kontaminierung des Holzes mit giftigen Schutzmitteln sowohl die Arbeitszeit als auch die Kosten erhöht. „Als wir eine der Säulen abgenommen hatten, haben wir kleine weiße Kristalle entdeckt – das hat uns sofort stutzig gemacht“, sagt Mannewitz.

Wegen der gefährlichen Giftstoffe konnten die Arbeiten nur noch mit Atemmasken und Schutzanzügen fortgesetzt werden und durften maximal fünf Stunden pro Tag dauern. Insgesamt hätte die Restaurierung deshalb ein halbes Jahr länger gebraucht und 30 000 Euro mehr gekostet, so Restaurator Fred Kluth. Die Gesamtkosten von etwa 170 000 Euro wurden zu etwa einem Drittel aus privaten Einzelspenden und den Förderverein St. Marien finanziert, der Löwenanteil durch die Zuwendungen der Ostseesparkasse (Ospa) und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Letztere habe sich seit 1995 bereits mit etwa 2,5 Millionen Euro an den Sanierungsarbeiten in der Kirche beteiligt, so Ortskurator Ralf Schinke.

„Wir haben Fehlstellen gekittet, das Lindenholz mit Kunstharz getränkt und wieder gefestigt sowie die Farbschichten erneuert“, sagt Mannewitz. An manchen Stellen sei der Wurmbefall so schlimm gewesen, dass nur noch die Farbe das Holz zusammengehalten hatte, so der Restaurator. Während der Arbeiten konnten sie zudem feststellen, dass das Bauwerk vermutlich älter ist als gedacht. Es gebe Hinweise, dass die Kanzel statt 1574, bereits in den 1530er-Jahren gebaut wurde – kurz nachdem die Reformation in Rostock Einzug gehalten hat, so Mannewitz. Bis 2018 soll in der Marienkirche alles fertig werden, was konstitutiv wichtig ist – der Turm, die Dachflächen, die Gewölbe und die Fenster, sagt Tilman Jeremias. Danach könne man sich schließlich der Orgel und den Altaren widmen, so der Pastor. Die DSD werde sich weiterhin an der Restauration der Marienkirche beteiligen, so Ortskurator Schinke.

Die Renaissance-Kanzel

• dient Predigern als Pult für sämtliche Gottesdienste.

• bestand ursprünglich aus drei Teilen: Fuß, Korb und Schalldeckel.

• Der Korpus wurde vermutlich 1574 erbaut. Der Schalldeckel wird auf 1723 datiert. Der Fuß existiert heute nicht mehr.

• In ihre Restauration sind 170 000 Euro geflossen, davon 60 000 Euro aus privaten Einzelspenden.

• Während der Arbeiten konnten die Restauratoren feststellen, dass das Bauwerk vermutlich noch älter ist als gedacht. Es gibt Hinweise, dass die Kanzel bereits in den 1530er-Jahren gebaut wurde, kurz nachdem die Reformation in Rostock Einzug gehalten hat.

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