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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 03:02 Uhr

Gewalt : Prozesse gegen Hansa-Fans wie am Fließband

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Angehender Sozialwissenschaftler und Anlagenmonteur vor Gericht / Am Montag müssen sich weitere Anhänger verantworten

von
erstellt am 16.Aug.2014 | 16:00 Uhr

Im Amtsgericht Rostock wird zurzeit wie am Fließband gearbeitet, wenn es sich um gewaltbereite Hansa-Fans handelt. Die meisten Strafverfahren haben mit den Ereignissen am 26. Oktober vergangenen Jahres zu tun – den Angeklagten wird Landfriedensbruch im besonders schweren Fall in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Vermummungsverbot vorgeworfen. In einigen Verfahren geht es aber auch um Beleidigungen von Polizisten. 102 Anzeigen gibt es insgesamt. Die Fans kommen aus den unterschiedlichen sozialen Schichten. Von Angestellten, über Azubis bis hin zu Studenten in höheren Semestern ist alles dabei. Neben ihrer Liebe zum FC Hansa haben sie aber noch eine Gemeinsamkeit. Sie sind fast alle vorbestraft.

Am Donnerstag mussten sich der Student der Sozialwissenschaften Matthias R. (28) und der Anlagenmonteur Oliver H. (23) verantworten. Beide verfolgten das Fußballspiel des FC Hansa gegen den Halleschen Fußballclub am 26. Oktober, das die Rostocker gewannen. Anschließend zogen sie mit einer vermummten Horde Richtung Eishalle, wo sich in einem abgegrenzten Areal die Gästefans und eine Polizeieinheit befanden. Aus der Masse heraus flogen Pflastersteine, Glasscherben und Bauschutt auf die Polizei und die Gästefans. Matthias R. warf mit einem Bengalfeuer und einer Glasflasche, Oliver H. mit einem Stein. Beide nahmen die Verletzung von Polizisten und Gästefans billigend in Kauf, heißt es in der Anklageschrift, und beide wurden auf Überwachungsvideos anhand ihrer Kleidung identifiziert, obwohl sie vermummt waren. Matthias R. verweigerte gestern jegliche Aussage. Da er das Angebot des Gerichts – eine moderate Strafe gegen ein umfassendes Geständnis – ausschlug, konnte er nicht mit Milde rechnen, noch dazu er einschlägig vorbestraft ist. Zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung verbunden mit einer Geldstrafe von 400 Euro für die Kinderkrebshilfe lautete das Urteil. „Mir fehlen die Worte“, sagte der Richter. „Fünfmal vorbestraft, Abitur und im letzten Studienjahr Sozialwissenschaften. Seien Sie endlich bereit umzukehren.“

Oliver H. musste nicht lange ermahnt werden. Er gab zu, einen Stein geworfen zu haben. „Ich habe mich auf den Videos sofort erkannt“, sagte er. Er wusste, dass ein Geständnis die einzige und letzte Chance für ihn war, denn sein Bundeszentralregister enthält sogar zwölf Vorstrafen, und der Steinwurf am 26. Oktober auf Polizisten fand in einer laufenden Bewährungszeit statt. So kam er mit einem Urteil von einem Jahr auf Bewährung und einer Geldauflage von 800 Euro noch gut davon.

Die Rostocker Azubis Lars W. (20) und Marcel L. (20), die Hansa auf ihrem Auswärtsspiel nach Saarbrücken begleiteten und auf der Rückfahrt im Zug beleidigende Lieder gegenüber Polizisten sangen, wurden verwarnt. Sie müssen an alle sie begleitende Polizisten Entschuldigungsbriefe schreiben. Die nächste Verhandlung ist Montag.

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