Protestieren gegen Atomkraftwerke

Mut zum  Aufstand: Simon Bartels, Andrea Krönert, Jakob Kühn, Lukas Ewert, Fabienne Fronek, Charlotte Kretschmann, Christian Dahlke, Johannes Kretschmann, Gregor Mandt reihen sich in die Menschenkette gegen Atomkraftwerke  ein.irene burow
Mut zum Aufstand: Simon Bartels, Andrea Krönert, Jakob Kühn, Lukas Ewert, Fabienne Fronek, Charlotte Kretschmann, Christian Dahlke, Johannes Kretschmann, Gregor Mandt reihen sich in die Menschenkette gegen Atomkraftwerke ein.irene burow

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11. April 2010, 10:13 Uhr

Stadtmitte | Es ist der 26. April 1986. In der Ukraine herrscht Ausnahmezustand. Der Grund: Ein Unfall im Atomkraftwerk (AKW) "Tschernobyl". Im Block vier des Kernreaktors gab es eine Explosion. Die Folge: Mehrere Quadratkilometer Fläche im Umland sind radioaktiv verseucht. Menschen sterben oder sind auf Dauer durch schwere Krankheiten gezeichnet. Die Umwelt erleidet massive Schäden.

Um solch ein schlimmes Unglück zu verhindern, haben sich vergangenen Sonnabend Atomkraftgegner zusammengeschlossen und eine Menschenkette gebildet. "Wir wollen mit dieser Aktion ein Zeichen gegen die AKWs setzen", sagt Julia Reichart vom Ökohaus Rostock. "Die heutige ,Kettenreaktion ist eingebunden in die Aktions- und Menschenkette am 24. April zwischen den Atomkraftwerken Brunsbrüttel und Krümmel", fügt sie hinzu. Die Kette ist eine Reaktion auf die Atompolitik der Bundesregierung. FDP und Union diskutieren, ob die Laufzeit von stillgelegten Atomkraftwerken verlängert werden soll. Doch viele stehen der Atomenergie kritisch gegenüber, da die Existenz regenerativer Energien nicht verleugnet werden kann. Deshalb will die Bundesregierung nach der Landtagswahl in Nordrhein- Westfalen mit den großen Stromkonzernen über eine Laufzeitverlängerung der AKWs diskutieren. Dabei wird es auch um die beiden Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel gehen, die bereits seit über zwei Jahren nicht mehr in Betrieb sind, deren Wiedereröffnung aber im Gespräch ist. "Um was zu bewirken, müssen wir vor der Landtagswahl reagieren. Wir wollen eine 120 km lange Menschenkette zwischen beiden Atomkraftwerken errichten mit dem Ziel den Atomkonsens aufzuweichen", so Riechart. Um auf diese Aktion aufmerksam zu machen, haben sich im Vorfeld in 53 deutschen Städten kleine Menschenketten gebildet. Deutschlandweit protestierten 8000 Menschen gegen Atomkraft. In Rostock startete die Kette mit fünf Personen und hat sich rasch vervielfacht. "Leider gehen immer noch zu viele Menschen vorbei. Einige denken nicht einmal darüber nach, woher ihr Strom kommt und was das für Auswirkungen hat", erklärt Julia Reichart. "Dabei müssten sich mehr Leute angesprochen und mobilisiert fühlen", sagt sie weiter.

Dass die Atomkraftwerke nicht alle auf einmal lahm gelegt werden können, ist den Aktivisten klar. Doch eine Verlängerung der Laufzeiten auf bis zu 60 Jahren wollen und können sie nicht hinnehmen: "Zum einen kann so eine Risikotechnologie schief gehen und zum anderen gibt es kein Endlager für den entstandenen Müll. Dies ist ein längerfristiges Problem, das auch nachfolgende Generationen betrifft", meint Reichart. "Das Ziel sollte sein, regenerative Energien stärker zu nutzen und die Laufzeiten der gefährlichen AKWs nicht zu verlängern, sondern die Kraftwerke nach und nach abzubauen", so die 20-Jährige.

15 Minuten standen die Atomkraftgegner am Sonnabend als Kette verbunden auf dem Uniplatz. Interessenten erhielten eine Stunde lang Informationen über die Hintergründe der Ketten(re)aktion. Vorbild der Aktion am 24. April ist die Antiatomdemo in Berlin im Herbst letzen Jahres. Dort schlossen sich über 50 000 Menschen zusammen, um gegen die AKWs zu protestieren. Immer mit dem Gedanken, dass so ein Unglück wie "Tschernobyl" nicht passieren darf.

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