Demonstrationen in Rostock : Proteste verlaufen friedlich

Bei allen Demonstrationen blieb es ruhig.
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Bei allen Demonstrationen blieb es ruhig.

Befürworter und Gegner der Flüchtlingspolitik demonstrieren in der Innenstadt / Krawalle bleiben aus / 950 Polizisten im Einsatz

svz.de von
15. November 2015, 21:00 Uhr

Überschattet von den schweren Terror-Anschlägen in Paris haben am Sonnabend erneut Gegner und Befürworter der aktuellen Flüchtlingspolitik in der Rostocker Innenstadt demonstriert. Anders als bei der AfD-Demo am 17. Oktober gab es dieses Mal keine Ausschreitungen – die Polizei hatte ihre Präsenz massiv erhöht. Insgesamt 950 Beamte waren im Einsatz. Viele Straßen und Plätze wurden zeitweise abgeriegelt und Wasserwerfer bereit gehalten.

Auslöser der zahlreichen Kundgebungen an diesem Sonnabend war der Aufmarsch der Initiative „Deutschland wehrt sich“ am Hauptbahnhof. Rund 700 Menschen nahmen am Protest gegen die aktuelle Flüchtlingssituation teil. Bei der AfD-Demo waren es noch 1800 gewesen. Auf der anderen Seite standen dieses Mal etwa 1000 Gegendemonstranten. Diese waren den Aufrufen der Initiative „Rostock hilft“ und des Bündnisses „Rostock nazifrei“ gefolgt und forderten „Solidarität mit Geflüchteten statt Hetze – Rostock für alle“.

Den Auftakt der Solidaritätsbekundungen machte eine Versöhnungsandacht in der Marienkirche. In Erinnerung an die Opfer der blutigen Anschlagserie in Paris läuteten nach einer Schweigeminute die Glocken und brannten 127 Kerzen. Pastor Tilman Jeremias wandte sich gegen die allgemeine Radikalisierung in der Gesellschaft. „Da ist es wichtig, dass die Kräfte, die sich für Versöhnung, Ausgleich und Offenheit einsetzen, zusammenhalten“, sagt er. Im Anschluss an die Andacht bildeten die Demonstranten eine Menschenkette zur Friedenseiche am Steintor. Auch dort wurde zu Beginn der Kundgebung den Pariser Opfern gedacht. Shakiba, eine Jugendliche aus Afghanistan, berichtete zudem von ihrer Flucht nach Deutschland. Wie sie sich mit ihrem kleinen Bruder von ihrer Mutter und ihrem zweiten kleinen Bruder trennen musste, um mit den Schleppern das Mittelmeer zu überqueren. Noch heute fehlen ihr die Worte, um darüber zu sprechen.

Studentin Elsa findet es schlimm, dass viele Menschen nicht helfen und den Islamischen Staat mit dem Islam gleichsetzen: „Das bereitet mir Sorge. Deshalb will ich ein Zeichen setzen.“ Auch Lucas will zeigen, dass „Rostock zwei Seiten hat und wir gerne Flüchtlinge in der Stadt aufnehmen“.

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