Rostock : Proteste in Groß Klein eskalieren

Zum Teil vermummt, mit Fahnenstangen und Mundschutz ausgestattet, hatten etwa 30 Linke versucht, rund 40 Rechte zu attackieren. Die Polizei stoppte sie.
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Zum Teil vermummt, mit Fahnenstangen und Mundschutz ausgestattet, hatten etwa 30 Linke versucht, rund 40 Rechte zu attackieren. Die Polizei stoppte sie.

Polizei stoppt Attacke linker Demonstranten auf rechte Gruppe. NPD-nahe Gemeinschaft ruft zu „vollem Einsatz vor Ort“ auf

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06. Juni 2016, 22:00 Uhr

Bei erneuten Protesten von Linken und Rechten am Sonntag in Groß Klein hat nur der Einsatz der Polizei eine Massenschlägerei verhindert. Beide Seiten schaukeln sich auf Spontandemos und Onlineplattformen immer weiter hoch. Vorgeschobener Auslöser ist eine Anfang voriger Woche eröffnete Begegnungsstätte des Vereins Neue ohne Barrieren für deutsche Jugendliche, Senioren und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Nach Angaben der Polizei versuchte eine etwa 30-köpfige linksgerichtete Gruppe, die kurz zuvor aus Richtung Lichtenhagen aufmarschierte, rund 40 „Personen der organisierten rechten Szene“ zu attackieren. Einige von ihnen hätten sich dafür vermummt und mit Fahnenstangen, Mundschutz und Handschuhen ausgestattet. Außerdem hätten die Angreifer ein Banner mit der Aufschrift „Rechte Strukturen aufbrechen“ dabei gehabt.

Die Polizei griff ein, setzte die Gruppe fest. Gegen mehrere Personen beider Lager sprachen die Beamten Platzverweise für den gesamten Stadtteil Groß Klein aus. Zudem stellten sie die Identität von 21 Personen der linken Szene fest und leiteten gegen eine von ihnen ein Verfahren wegen Landfriedensbruchs ein. Unter anderem gehörte der Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet, Jan Gorkow, zu den Eingekesselten. Er nutzte die Gelegenheit, um eine Online-Grußbotschaft zu versenden.

„Die Rostocker Polizei wird von keiner Seite Auseinandersetzungen im Stadtteil Groß Klein zulassen und weiterhin deutliche Präsenz zeigen“, sagt Inspektionsleiter Michael Ebert. Seine Beamten waren auch gestern wieder vor Ort. „Wir bewerten jeden Tag die Lage neu, wir sind auf alles vorbereitet“, so Sprecherin Dörte Lembke.

Wie nötig das ist, zeigen die Aufrufe der NPD-nahen Gruppe „Infoflut Rostock“ im Internet. „Jetzt bitte nicht nachgeben und weiterhin vollen Einsatz vor Ort zeigen“, heißt es da beispielsweise. Oder: „Wir sind die Leute, die hier wohnen, und wir behalten die Fremden weiterhin im Auge.“ In den Kommentaren unter den Beiträgen ist die Rede von Pöbeleien, Belästigung der zwölfjährigen Tochter durch „Ali“, Angst um die eigenen Schulkinder und vor ausländischen Spannern in Nachbarwohnungen.

Annette Kob, Geschäftsführerin des Betreibervereins der Begegnungsstätte, wurde von den heftigen Protesten völlig überrascht. Sie sagt, wer gegen das Teilhabezentrum polemisiere, treffe damit nicht nur die jugendlichen Flüchtlinge, sondern noch vielmehr die Angebote für deutsche Jugendliche wie auch für deutsche Senioren. Zusammen mit ihren Mitarbeitern und Klienten habe sie vorsorglich reagiert und sei mit den Jugendlichen übers Wochenende weggefahren. Trotzdem konnte sie gestern der angespannten Situation sogar noch etwas Positives abgewinnen: „Die Eskalation führte zu einer tollen Solidarität: Unsere deutschen Jugendlichen, zum Teil aus rechtslastigen Elternhäusern, boten den Flüchtlingen spontan an, ihnen Essen, Wäsche oder andere Sachen in die Wohnung zu bringen.“



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