Protest in Fienstorf

<strong>Die Tier- und Umweltschützer</strong> Gundula Dietrich, Claudia und Luisa Pahlke, Max Singer, Birgit Jahn, Bernhard Cupalla, Erika Böhmer, Gunda Vogel, Heidrun und Wolfgang Nagel   wollen die Hähnchen-Massenzuchtanlage verhindern.<foto>michaela Kleinsorge</foto>
Die Tier- und Umweltschützer Gundula Dietrich, Claudia und Luisa Pahlke, Max Singer, Birgit Jahn, Bernhard Cupalla, Erika Böhmer, Gunda Vogel, Heidrun und Wolfgang Nagel wollen die Hähnchen-Massenzuchtanlage verhindern.michaela Kleinsorge

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18. März 2013, 10:05 Uhr

Fienstorf | Nächste Runde im Boykott der Fienstorfer gegen die geplante Hähnchen-Massenzuchtanlage (HMA) vor ihrer Haustür: Die Bürgerinitiative "Pro Vita - fürs Leben" mobilisierte am Sonnabend Anwohner und Gegner der Massentierhaltung vor dem Gutshof in Fienstorf. Nicht nur die betroffenen Anwohner, sondern auch regionale Mitstreiter aus der gesamten Rostocker Umgebung zeigten Anteilnahme und Mitgefühl für das gebeutelte Huhn.

So sollen innerhalb eines Jahres 1,4 Millionen Hähnchen in vier belegten Ställen mit jeweils 45 000 Tieren pro Aufzucht und bei acht geplanten Durchgängen das Neonlicht der Welt erblicken. "Für alle, die umweltgerecht denken, den Fleischkonsum drosseln oder Bio-Fleisch kaufen, ist das wieder einmal ein Schlag ins Gesicht", sagt Birger Jensen aus Rostock. Der Biologie-Student kennt die bedauerlichen Zustände, einschließlich der Antibiotika-Problematik, bis ins Detail.

Tierquälerei, Luft- sowie Grundwasserverschmutzung sind weitere Argumente der Gegner. Sie vermuten zudem, dass nach dem Bau die Verkehrsbelästigung zunimmt und Immobilienbesitzer einen Wertverlust in Kauf nehmen müssen. "Schadstoffe, Bakterien, Viren oder Pilze gelangen hier ungefiltert in die Umwelt", so Jensen. ,,Letztendlich sind die Kühlregale voll mit Billigware aus der Massenzucht. Hier stellt sich die Frage, ob wir wirklich noch mehr davon benötigen", sagt Jürgen Heimlich aus Rostock. Inzwischen konnte Pro Vita mehr als 20 000 Stimmen gegen das Projekt in Fienstorf und jede weitere geplante HMA sammeln.

Eva Maria Leonhardt, Sprecherin der Initiative, verwies auf ein grundgesetzliches Abwehrrecht jedes Einzelnen: "Wenn die Billigung menschenunwürdiger Qualzuchten durch den Staat zur gesellschaftlichen Normalität gemacht wird, verletzt das die Menschenwürde seiner Bürger und wir hoffen auf Alternativen, die dem Gesundheits-, Umwelt- und Tierschutz in unserer Region entgegenkommen."

Bisher wurde die Anlage noch nicht genehmigt. Deshalb suchten die Tier- und Umweltschützer noch einmal die Konfrontation mit dem verantwortlichen Landwirt, der sich dem Protest seiner Nachbarn vor seinem Grundstück stellte, aber eine Stellungnahme verweigerte. Zu den Argumenten der Bürgerinitiative, die sich in bautechnischen und allgemeinen Fragen bestens vorbereitet hatte, wollte der Landwirt nichts sagen. Aber er signalisierte Gesprächsbereitschaft zu einem späteren Zeitpunkt.

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