Prozess in Rostock : Prosituierte klagt Syrer an

Die drei Tatverdächtigen bestreiten, die 21-jährige Prostitutierte überfallen zu haben.
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Die drei Tatverdächtigen bestreiten, die 21-jährige Prostitutierte überfallen zu haben.

Drei Männer sollen die 21-Jährige überfallen und beraubt haben. Nur einer der Beschuldigten sagte aus.

svz.de von
06. September 2017, 08:00 Uhr

Gestern begann vor dem Landgericht Rostock ein Prozess gegen die Syrer Basem B. (30), Mohamed M. (19) und Ahmed J. (20), die des schweren Raubes beschuldigt werden. Sie sollen in der Nacht des 1. Februar 2017 die 21-jährige ungarische Prostituierte Viktoria M. in der Neuen Werder Straße aufgesucht und ausgeraubt haben. Die Angeklagten bestreiten den Tatvorwurf.

Es war nachts gegen 1.40 Uhr. „Ich öffnete die Wohnungstür, weil es geklingelt hatte. Herein stürmten drei Männer“, berichtete gestern die 21-Jährige als Zeugin. Einer der Männer hätte ihr von hinten ein Messer mit der scharfen Seite einer sehr langen Klinge an den Hals gesetzt. Als sie zu schreien begann, sei ihr Verlobter, der sich im Nebenzimmer befand, aufgesprungen, um ihr beizustehen. Zwei der Männer hätten sich aber gegen die Tür gestemmt, sodass er ihr nicht zu Hilfe kommen konnte. Der Mann mit dem Messer habe ihr dann einen Diamantring im Wert von 1800 Euro vom Finger gezogen, habe ihre Geldbörse ergriffen und 1550 Euro Bargeld, die Einnahmen von drei Wochen, an sich genommen und auch noch ein Handy eingesteckt. Dann seien alle drei aus der Wohnung gestürmt. Viktoria M. war sich sicher, dass die drei Angeklagten die Täter waren. Sie zeigte im Gerichtssaal auf Basem B., den Mann, der ihr das Messer an den Hals gesetzt hatte. Sie sei über 100 Prozent sicher, sagte sie, denn er sei schon einen Tag vorher ihr Kunde gewesen, der ihr nach dem Sex das Geld wieder abgenommen hatte.

Die Zeugin musste sich nach der gerichtlichen und staatsanwaltschaftlichen Befragung hochnotpeinlichen Fragen der Verteidigung stellen, die sie jedoch ruhig beantwortete. Während Mohamed M. gestern noch keine Angaben zu den Tatvorwürfen machen wollte, Ahmed J. es ablehnte auszusagen, ließ Basem B. eine mündliche Erklärung durch seinen Verteidiger vortragen. Darin hieß es, dass Basem B. die Anklageschrift empört zurückweist. Er sei schockiert darüber, dass eine solche „Räuberpistole“ einer Prostituierten überhaupt zur Anklage zugelassen wurde. Sie strotze vor Widersprüchen. Es gebe keine Beweise und kein Spurengutachten. „Kann denn auf Zuruf einer Prostituierten eine Anklage gefertigt werden, die ihn über Jahre ins Gefängnis bringen würde?“, ließ der Angeklagte fragen. „Am Ende dieses Verfahrens kann diese Frage beantwortet werden“, erklärte der Richter. Der Prozess wird heute mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt.

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