freiwillige Feuerwehr : „Probleme an allen Fronten“

Rostocks Stadtwehrführer Steffen Grafe: Turbulente Zeit mit Polizeirazzia und reichlich Ärger mit der Stadt.
Rostocks Stadtwehrführer Steffen Grafe: Turbulente Zeit mit Polizeirazzia und reichlich Ärger mit der Stadt.

Stadtwehrführer Steffen Grafe gibt heute sein Amt ab

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14. März 2015, 08:00 Uhr

Die freiwilligen Feuerwehren Rostocks wählen am Sonnabend ihren neuen Stadtwehrführer. Steffen Grafe (34), seit Januar 2012 an der Spitze, tritt nach einer turbulenten Zeit mit Polizeirazzien im August 2014 und Streit mit der Stadt nicht mehr an. Torben Hinz sprach mit ihm.

Was sind die dringendsten Probleme, mit denen sich Ihr Nachfolger auseinandersetzen muss?

Grafe: Es gibt an allen Fronten Probleme. Das Wichtigste ist, die Wehren wieder unter einen Hut zu bringen und die Verbandsarbeit herzustellen.

Wie schätzen Sie Ihre eigene Arbeit ein?

Ich habe das Amt übernommen, nachdem der Verband ein halbes Jahr führungslos war. Da war die Aufgabe, die Gremienarbeit wieder in ordentliche Bahnen zu lenken. Dann kam der berühmte August dazwischen, der uns kalt erwischt hat.

Sind der Streit mit der Verwaltung und die Ermittlungen der Polizei abgehakt?

Da ist sicherlich noch nicht alles voll aufgearbeitet, aber die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen sind eingestellt. Zwei Kameraden wurden für das Betreiben eines nicht zugelassenen Funkgeräts mit der Zahlung von 500 Euro bestraft. Informationen wurden nicht an Dritte weitergegeben. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen haben wir auch von Anfang an toleriert. Aber wie die Stadt uns behandelt hat, das war nicht in Ordnung.

Die Wehren hatten 18 Forderungen aufgestellt. Wie ist der Abarbeitungsstand?

Ex-Senatorin Liane Melzer hatte das vorgeschlagen. Das waren so Punkte wie Schutzbekleidung für den Sommer, die auch abgearbeitet wurden – allerdings nur zur teilweisen Zufriedenheit. Zum Beispiel hat sich die Parksituation in Warnemünde zwar gebessert, aber nur, weil es dort nicht mehr so viele Kameraden gibt.

Fehlt es Ihnen auch an Anerkennung durch die Stadt?

Ja, man wird teilweise behandelt wie ein Angestellter der Verwaltung: „Du hast das jetzt zu machen!“ Da fehlt ein wenig das Gespür dafür, dass man das freiwillig macht, nicht um Geld zu verdienen.

Das klingt wenig verlockend. Was ist denn positiv an der Arbeit?

Dass man Menschen hilft und Leben rettet. Beim Nachwuchs haben wir weniger Defizite. Eher ist das Problem, dass es in Rostock zu wenig Wehren gibt. Lübeck hat 23 mit 800 Mann, wir fünf mit 340.

Was wünschen Sie ihrem Nachfolger?

Dass sich der Streit in den Wehren legt. Der Verband sind alle zusammen und nicht der eine da oben.

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