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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 22:56 Uhr

Theater : Premiere: „Stella“ im Maschinenraum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Regisseurin Amina Gusner inszeniert Goethe hinter dem eisernen Vorhang

von
erstellt am 24.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Freiheit kann zum Zwang werden – auch in der Liebe. Wer die Wahl hat, dem wird sie mitunter zur Qual. Und so martert der Offizier Fernando nicht nur sich selbst, weil er sich zwischen der Gemahlin, die auch die Mutter seiner Tochter ist, und der Geliebten nicht entscheiden kann. Wie es in der Natur der Sache liegt, leiden auch die Frauen, weil ja eben nur eine diejenige welche sein kann – ganz entsprechend der Sitte. Wer frei wählen kann, muss sich entscheiden. Das ist der Konflikt, in dem sich die Figuren in Goethes „Stella“ zerreiben.

Heute Abend um 19.30 Uhr feiert das Stück am Volkstheater in der Inszenierung von Amina Gusner Premiere. Als Bühne dient dabei der neue so genannte Maschinenraum – die Hinterbühne des Großen Saals, vom eigentlichen Zuschauerraum abgetrennt durch den eisernen Vorhang.

Ein guter Raum, der so entsteht, von der Atmosphäre her fast vergleichbar mit dem ehemaligen Theater im Stadthafen mit Platz für 135 Zuschauer. „Der Raum an sich ist schön und spannend“, sagt die Regisseurin. „Allerdings war es auch ein Kampf, ihn für das Schauspiel einzurichten.“

Das Stück feierte im Februar bereits in Senftenberg Premiere. Amina Gusner studierte es in Rostock mit den zwei neu hinzugekommenen Darstellern ein, passte es auf die Bühne an. „In Senftenberg war es ein sehr intimer Raum. Da konnte alles sehr schnell ablaufen. Hier gibt es wegen der Breite der Bühne für jeden Vorgang mehr Zeit.“

„Stella“, obwohl ein Stück des Sturm und Drang, ist für Amina Gusner ein sehr heutiger Stoff. So mache Fernando gleich mehrere „Familienfilialen“ auf, beschäftige sich am Ende aber immer eher mit seiner Schuld als damit, ein guter Mann und Vater zu sein. „Er wie auch die Frauen im Stück sind narzisstisch“, sagt die Regisseurin, ein Phänomen des Neoliberalismus: „Unter dem Motto: Wenn du nicht glücklich bist, hast du selbst schuld.“


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