zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

15. Dezember 2017 | 19:10 Uhr

Volkstheater : Premiere mit Vorspiel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostocker OB untersagt Theaterleitung Verhandlungen zu Haustarifen. Kultusminister fordert eine Entscheidung.

von
erstellt am 18.Sep.2014 | 11:00 Uhr

Der Hauptausschuss vertagte am Dienstag seine Entscheidung, der Aufsichtsrat des Volkstheaters Rostock tagte gestern Abend, die Bürgerschaft will am 2. Oktober ihr Angebot an den Kultusminister formulieren: Die Vereinbarung zwischen dem Land und der Hansestadt zur Zukunft ihres Vierspartentheaters lässt in der Rostocker Kommunalpolitik die Wellen hochschlagen. Ausgerechnet vor der groß angekündigten Premiere zum Spielzeitauftakt, zu der Intendant Sewan Latchinian in goldenen Lettern einlädt, dieses politische Vorspiel.

Um Gold, oder besser formuliert um Geld, geht es auch bei der Zielvereinbarung. Um viel Geld. 16,6 Millionen Euro Jahresetat, davon 8,7 Millionen vom Land stehen auf dem Spiel. Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hatte am Dienstag unmittelbar vor der Hauptausschusssitzung in einer neuen Vereinbarung in Aussicht gestellt, dass das Theater die 8,7 Millionen aus dem Jahr 2013 auch 2014 erhält, obwohl ihm in diesem Jahr nach Ansicht des Landes 200 000 Euro weniger zuständen. Allerdings käme die zusätzliche Rate nur „im Falle der Unterzeichnung und Umsetzung der Zielvereinbarung“. Brodkorb fordert, die Bürgerschaft müsse sich bis 30. November entscheiden.

Der Aufsichtsrat des Theaters sieht sich erpresst und die Spielstätte real um 500 000 Euro bedroht, weil Brodkorb die Berechnung, die für andere Häuser wie Schwerin gelte, geändert habe, so Aufsichtsratsvorsitzende Eva-Maria Kröger (Linke), zugleich Mitglied des Hauptausschusses.

Land und Stadt sind in der Causa Volkstheater wieder einmal weit auseinander. Das Theater setzt auf Haustarife, zunächst mit dem Orchester, später vielleicht auch mit Ballett und Musiktheater. Eva-Maria Kröger: „Wir haben von der Orchestergewerkschaft DOV ein konkretes Angebot.“ 17,2 Millionen Euro braucht das Theater jährlich, um den Vier-Sparten-Betrieb aufrechtzuerhalten. Elf Millionen Euro könnten insgesamt bis 2020 per Haustarifvertrag gespart werden, so die Hoffnung.

Bis gestern: Inzwischen hat OB Roland Methling der Theaterleitung Verhandlungen über Haustarife untersagt. „Für ein Verhandlungen hat es keine Beauftragung gegeben“, heißt es in einem Schreiben vom Dienstag, das unserer Redaktion vorliegt.

Auch Brodkorb fordert in einem Schreiben an OB Methling die „grundsätzliche Sicherung von tarifbezogenen Löhnen und Gehältern“. Allenfalls mit Orchester und Chor könnte, ähnlich wie in Schwerin, mit verbundenen Arbeitszeitregelungen verhandelt werden. Brodkorb fürchtet, dass Ballett und Schauspiel durch Haustarife kaputtgespart werden. Der SPD-Politiker bringt das aus einem städtischen Gutachten hervorgehende Drei- oder Zweispartenmodell in der Zielvereinbarung ins Gespräch. 3,8 Millionen Euro Einsparungen hatte die Münchner Beratungsgesellschaft actori durch die Schließung von Tanz- und Musiktheater errechnet. Sie hatte das Gutachten im Auftrag der Stadt gefertigt.

„Das ist mit mir nicht zu machen“, wehrt sich Aufsichtsratsvorsitzende Eva-Maria Kröger. Sie nennt es absurd, Tariftreue zu fordern, aber zugleich Sängern und Tänzern zu kündigen. Rostocks OB Roland Methling ist hingegen einem Zwei-Sparten-Modell gegenüber nicht abgeneigt, heißt es.

Ein weiter Weg bis zum 30. November.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen