Sommertheater : Premiere in der HMT: Ein Spiel mit Typen

Action auf dem Campiello: Caspar Weimann (l.) lässt als Anzoletto seine Wut am Cavaliere aus, der von Jan Hallmann dargestellt wird.
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Action auf dem Campiello: Caspar Weimann (l.) lässt als Anzoletto seine Wut am Cavaliere aus, der von Jan Hallmann dargestellt wird.

Die Studenten des zweiten Jahres zeigen im Innenhof der Hochschule die Komödie „Campiello“

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26. Juli 2014, 14:00 Uhr

Bei den Menschen, die rund um den Campiello wohnen, dreht sich das Leben vor allem um zwei Dinge: Geld und die Ehe. Wobei letztere nicht unbedingt von der Liebe getrieben sein muss. Auch ganz pragmatische Überlegungen diktieren das Handeln der Männer und Frauen. Kein Wunder: Wer arm ist, hat keine Zeit für Romantik. Und so wird gekuppelt, was das Zeug hält. Wer macht die beste Partie? Wessen Tochter ist zuerst unter der Haube? Nicht zuletzt bringt die Ankunft eines adligen Schürzenjägers im Viertel reichlich Aufregung. Denn er verspricht jeder – mal freiwillig, mal weniger – die Ehe. Da sind Missverständnisse und Ärger programmiert. Ganz zur Freude der Zuschauer.

Die Schauspielstudenten der Hochschule für Musik und Theater (HMT) haben am Donnerstag im Innenhof des Katharinenstifts Premiere gefeiert. Traditionell geben die Viertsemester im Sommer eine Komödie. Dieses Mal ist unter der Regie von Esther Zschieschow das Stück „Campiello“ erarbeitet worden – eine Komödie des italienischen Dichters Carlo Goldoni in der modernen Fassung des Österreichers Peter Turrini.

Natürlich spielt das Stück mit Typen und Klischees. Da ist die leidenschaftliche Zicke Lucietta, die von Andrea Spicher ganz wunderbar dargestellt wird. Sie wird zum Sinnbild für die oberflächliche Göre, wie sie heute doch allzu häufig auch in natura anzutreffen ist. Ebenso Klischee: der eigentlich ständig wütende Anzoletto, den Caspar Weimann spielt. Schnell wird klar, dass es mit seiner Wut nicht weit her ist. Dass sie verpufft, sobald sein eigentliches Problem zum Vorschein kommt – seine Armut, die ihn hindert, seine Angebetete zu heiraten. Diesen Kern offen zu legen, vermag vor allem Catte, die, obwohl eine Frauenrolle, tatsächlich nicht nur heiter, sondern auch mit komödien-angemessenem Tiefgang von Max Koch dargestellt wird.

Sophie Pfennigstorf als Palatschinken-Bäckerin Orsola und Maike Reuter als die halb taube Pasqua betätigen sich gekonnt als tratschende Weiber und Kupplerinnen. Jan Hallmann als adliger Cavaliere und Stella Roberts als möchte-gern-adlige Gasparina geben ein erheiterndes Gespann ab, wenn sie ihre genauso menschlichen Bedürfnisse durch geschwollene Rede zu kaschieren suchen. Roman Majewski beweist als Wirt Sansuga und als Gelehrter Fabrizio seine Wandelbarkeit. Der Zuschauer muss zweimal hinsehen, bevor er merkt, dass es sich um ein und denselben Schauspieler handelt.

Regisseurin Esther Zschieschow ist es gelungen, mit den Studenten ein Sommertheater zu erarbeiten, in dem Talente zur Geltung kommen und bei dem sich das Publikum gut unterhalten fühlen kann. Abgesehen von ein paar Längen zum Ende, ist „Campiello“ beste Unterhaltung.

Termine: heute, morgen und Montag 21 Uhr im Innenhof der HMT

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