Potz Blitz in Neubrandenburg

<strong>Im ersten Halbjahr</strong> wurden  im Landkreis Ludwigslust 875 Blitze gezählt, während  in Wismar nur vier niedergingen. <grafik>dpa</grafik>
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Im ersten Halbjahr wurden im Landkreis Ludwigslust 875 Blitze gezählt, während in Wismar nur vier niedergingen. dpa

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11. Juli 2012, 09:57 Uhr

Schwerin | Wieder sind in Deutschland durch die schweren Stürme Menschen ums Leben gekommen: Ein Blitz erschlug ein Mädchen in Sachsen, ein Mann wurde durch einen Baum getötet. 20 Menschen wurden verletzt. Glück im Unglück hatten 15 Bergsteiger im Berchtesgadener Land. Ein Blitz streifte die Wandergruppe. Dabei wurden 15 Menschen verletzt, unter ihnen ein zehnjähriger Junge. Für 13 von ihnen endete die Wanderung im Krankenhaus.

Jedes Jahr werden in Deutschland nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes 40 bis 50 Menschen direkt oder indirekt von einem Blitz getroffen. Doch die Gefahr ist nicht überall gleich. In einigen Regionen blitzte es im letzen Jahr 500-mal häufiger als in anderen. Die höchste Blitzdichte Deutschlands erreichte Neubrandenburg mit 6,3 Blitzen je Quadratkilometer. Auch im brandenburgischen Frankfurt/Oder - 5,8 Blitze je Quadratkilometer - und im bayerischen Kaufbeuren - 5,1 - entluden sich besonders viele Blitze. In den Landkreisen Märkisch Oderland und Oder-Spree trafen mit insgesamt 9 270 und 8 760 die meisten Blitze im vergangenen Jahr die Erde. Nur 18-mal blitzte es dagegen in Flensburg (Schleswig-Holstein), so selten wie in keinem anderen Kreis.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 686 538 Blitze in Deutschland registriert. Dass es in diesem Jahr mehr Blitzeinschläge als 2011 gebe, ist allerdings ein Trugschluss. Zwar lassen die derzeitigen Unfälle und ihre Anzahl innerhalb kürzester Zeit vermuten, dass Deutschland und MV ständig mit Unwettern und Blitzen zu kämpfen hätten, doch Leiter des Blitzinformationsdienstes (BLIDS) der Siemens AG in Karlsruhe kann mit Hilfe eines Blitzortungssystems belegen: "Einschließlich des vergangenen Wochenendes gab es in Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr 12 693 Blitzeinschläge. 2011, um die gleiche Zeit, waren es schon rund 24 000." In Neubrandenburg und in den Altkreisen Uecker-Randow, Müritz sowie Mecklenburg-Strelitz habe er allerdings eine Steigerung von Blitzeinschlägen verzeichnen können. "Das sind die ganz östlichen Regionen, die schon leicht gen Süden tendieren und dort sind die Gewitter meistens heftiger", sagt Stephan Thern. 65 Blitze schlugen in Rostock ein, 26 in Schwerin, 738 im Landkreis Güstrow und 875 im Landkreis Ludwigslust.

Der Tod des neunjährigen Mädchens in Sachsen "hätte nicht sein müssen", sagt Dr. Fred Zack, Rechtsmediziner an der Medizinischen Fakultät Rostock. Die Neunjährige hatte auf dem Gelände eines Schwimmbades unter einem Baum Schutz vor dem Gewitter gesucht. Der Blitz schlug daraufhin in den Baum und trotz schneller Hilfe konnte das Kind nicht mehr gerettet werden. Sich bei Gewitter unter einen Baum zu stellen, sei denkbar falsch, so Fred Zack.

Dabei sind es nicht immer Kinder, die solche Fehler machen. Auch Erwachsene flüchten sich oftmals unter Bäume. "Entweder weil sie nicht nass werden wollen oder sie meinen, dass dies immer gut gegangen sei", mutmaßt der Rechtsmediziner.

Im Falle des 64-jährigen Mannes, der sich unter einen Carport stellte, um das Unwetter abzuwarten, verhält es sich ein wenig anders. Denn der Blitz schlug in eine nebenstehende Eiche und wurde über das Wellblechdach des Carports abgeleitet. "Daher: Finger weg von Metall und sich schnell entfernen", so Fred Zack, der im Zuge seiner Arbeit die Systematik der Verletzung und deren Spätfolgen nach Blitzunfällen untersucht hat. Diese Erkenntnis sei auch wichtig im Hinblick auf Radfahrer, die sich in der Nähe von Bäumen befinden. Ganz schnell könnten ihre Zweiräder so zur Gefahr werden.

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