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Wissenschaft : Potenzial für Bioenergie durch Abfalltrennung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Professor Michael Nelles: Deutsche können viel mehr tun. Küchenreste sollten in die richtige Tonne wandern

Die Deutschen können aus Expertensicht viel mehr als bisher zum Ausbau der Bioenergie bei der Energieversorgung beitragen. Allein durch eine bessere Trennung von Bioabfällen und Restmüll könnten deutschlandweit zusätzlich bis zu vier Millionen Tonnen Rohstoffe für die Energieerzeugung gewonnen werden, sagt der Rostocker Professor für Abfall- und Stoffstromwirtschaft, Michael Nelles.

Bundesweit werden jährlich rund zwölf Millionen Tonnen Bioabfälle gesammelt. „Wir verkaufen uns immer noch als Recycling-Weltmeister“, so Nelles. Aber Deutschland müsse aufpassen, diese Stellung nicht zu verlieren. Andere Länder hätten aufgeholt. Viele der bundesweit 900 Kompostieranlagen werden derzeit um eine Biogasanlage ergänzt. Bioenergie habe den großen Vorteil, dass mit ihr Strom, Wärme und Treibstoff erzeugt werden kann, betonte Nelles. 2013 hatte sie einen Anteil von acht Prozent am Gesamtenergieverbrauch. „Das ist doppelt so viel wie aus Wind, Sonne und Wasser zusammen, und konservative Rechnungen gehen von einem Potenzial von 15 bis 20 Prozent des Endenergieverbrauchs aus.“

Es gehe in den kommenden Jahren darum, sämtliche Abfall- und Reststoffpotenziale auszunutzen. Große Möglichkeiten lägen im Agrarbereich mit Reststoffen wie Gülle oder Festmist. Rund 160 Millionen Tonnen fielen davon jährlich an, weniger als die Hälfte werde für die Bioenergie genutzt.

Allerdings befinde sich die Bioenergiebranche aktuell in Aufregung, sagte Nelles. Grund sei die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Dabei sei geplant, die Vergütung für Bioenergie-Strom drastisch zu senken. „Wir gehen davon aus, dass dann nur noch wenige Anlagen errichtet werden. Der Betrieb ist dann nicht mehr wirtschaftlich, und das Ziel der Bundesregierung, die energetische Verwertung der organischen Reststoffe auszubauen, wird verfehlt.“ Die Bioenergiebranche stehe schon jetzt so unter Druck, dass der derzeit noch vorhandene technologische Fortschritt in Gefahr gerate. Im Boomjahr 2011 seien rund 1300 Biogasanlagen gebaut worden, 2013 waren es nur noch rund 200 Anlagen.

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