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22. November 2017 | 06:49 Uhr

Polizeisport ist raus aus den Schulden

vom

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2012 | 08:26 Uhr

Reutershagen | Dieses Mal wirklich: Ab Ende März soll die Insolvenz des Polizeisportvereins (PSV) nur noch ein unrühmliches Kapitel in der Chronik sein - mit einem Jahr Verspätung. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagt Geschäftsstellenleiterin Sabine Collin. Die letzte Hürde besteht in der Zusage des Finanzamts, im Härtefall PSV auf Steuern aus dem Scandlines-Arena-Verkauf zu verzichten. Diese wurde Anfang vergangenen Jahres für 1,2 Millionen Euro von der Ostsee Sport Service GmbH übernommen, einer Tochtergesellschaft der Ostseesparkassen Immobilien GmbH.

Abteilungen haben bereits neue Leiter

Als Voraussetzung für den Verzicht forderte das Finanzamt allerdings eine Betriebsprüfung für 2011, an der es aktuell noch arbeitet. "Wir wollten die Insolvenz eigentlich schon im vergangenen Jahr abschließen", sagt Collin. Nun soll die Mitgliederversammlung Ende März zusammentreten und dem Verein eine neue Satzung geben. Damit könnte der PSV nach sechseinhalb Jahren in Existenzängsten endlich neu durchstarten. "In den einzelnen Abteilungen gab es schon Versammlungen, bei denen neue Leiter gewählt wurden", so Collin.

Damit sich die Insolvenz nicht wiederholt, hat der PSV seinen Etat umstrukturiert. Jede Abteilung verwaltet ihr Budget nun selbst, sodass sie jederzeit über das zur Verfügung stehende Geld Bescheid weiß. "Da wird hervorragend gewirtschaftet", sagt Collin. So hätten die Ringer beispielsweise trotz des sportlichen Absturzes aus der 2. Bundesliga Nord erstmals einen ausgeglichenen Haushalt vorzuweisen.

Generell sei der ganze Verein heute finanziell sehr gut aufgestellt. Das liege auch an der zuletzt betriebenen Ausrichtung auf Breitensport. "Lieber haben wir Sport in der Breite, als illusionären Spitzensport", sagt Collin. Vom Seniorengesundheitstraining über Thai-Boxen und Bogenschießen bis hin zu Fitness und Badminton deckt der Verein ein breites Angebot ab. "Mir persönlich sind alle Sportarten wichtig", so Collin. Besonders hervorgehoben werden müssten allerdings die Erfolge der Nachwuchsringer und -judoka, die in ihren Ligen jeweils ganz oben mitmischen. "Das ist für mich schon Leistungssport", sagt die PSV-Chefin. Langfristig will sie zumindest mit einer Sportart zurück in die Erstklassigkeit. "Aber im Moment ist das erste Ziel die Beendigung der Insolvenz."

Außerdem ist es für den Verein schwieriger geworden, die richtigen Nachwuchs-Talente für den sportlichen Aufstieg zu finden. So besuchen immer mehr Kinder Ganztagsschulen, die ihnen zunehmend mehr Einsatz abverlangen. Die Lösung der Vereine: Sie gehen in die Schulen, unterstützt vom Landessportbund. Der PSV kooperiert beispielsweise mit der Borwin-Schule. "Genau diese Möglichkeit nutzen die Ringer, um Nachwuchs aufzubauen", sagt Collin. Und lokale Identitätsstifter unter den Sportlern seien wichtig, um Fans, lokale Firmen und andere Sponsoren als Unterstützer zu gewinnen.

Zurück in ruhigem Fahrwasser

Allerdings: "Den Geburtenknick merken wir auch", so Collin. Und auch der beruflich bedingte Wegzug vieler junger Sportler und Trainer treffe den Verein. Zumal die Trainer fast ausschließlich ehrenamtlich tätig sind. "Die müssen positiv bekloppt sein, die leben ihren Sport", sagt Collin. Aber die Bereitschaft, sich wirklich zu quälen, sei bei den Nachwuchssportlern gesunken.

Mit gutem Beispiel sei hingegen Insolvenzverwalter Jens Dohse vorangegangen, so die Geschäftsstellenleiterin. Trotz des jahrelangen Verfahrens - durch das sein fest vereinbartes Honorar immer unattraktiver wurde - habe er den sauberen Abschluss gesucht. "Er hätte den Verein auch auflösen können", sagt Collin. Doch stattdessen sei er fest entschlossen gewesen, den PSV am Ende seiner Tätigkeit wieder in ruhigem Fahrwasser zu wissen.

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