Kultur : Plattsnacker suchen Nachwuchs

Für den Erhalt des Plattdütsch plädieren Ursula Zoske (l.) und die anderen Mitglieder des Warnemünder Plattdeutschvereins. Regelmäßig laden sie auch Gäste ein, wie Kathrin Grund (r.), Tochter des Pastors Rolf Grund, der einst den Verein gründete.
Für den Erhalt des Plattdütsch plädieren Ursula Zoske (l.) und die anderen Mitglieder des Warnemünder Plattdeutschvereins. Regelmäßig laden sie auch Gäste ein, wie Kathrin Grund (r.), Tochter des Pastors Rolf Grund, der einst den Verein gründete.

Warnemünder setzen sich für den Erhalt der Sprache ein. Ihr Verein ist stets auf Nachwuchssuche. Jeden ersten Montag im Monat treffen sich die Mitglieder zum Motto-Treffen.

von
10. November 2015, 06:00 Uhr

Lang ist die Tafel nicht, an der Ursula Zoske und die Warnemünder „Plattsnacker“ sitzen, wenn sie zum Klönen zusammenkommen. Und das bedauert sie. „Es wäre schön, wenn wir Nachwuchs finden würden“, sagt die 72-Jährige. Die 18 Snacker, die der Verein zählt, seien alle älter als 70, die Hälfte sogar über 80, so Zoske. „Toll wäre es, wenn wir Mitglieder unter 60 Jahren finden würden“, sagt die Vereinsvorsitzende, nur seien die meist berufstätig.

Jeden ersten Montag im Monat kommen die „Plattsnacker“ im Awo-Treff in der Fritz-Reuter-Straße zusammen. Ab 14 Uhr trudeln die ersten ein, um 14.30 Uhr eröffnet Zoske das Treffen. Mit einer Glocke verschafft sie sich Gehör. Zu Beginn liest jeder eine Geschichte aus dem „Mallbüdel“ von Manfred Brümmer vor – up Platt. „Das haben wir so eingeführt, damit jeder auch mal platt spricht“, sagt die Rostockerin, die vor etwa zehn Jahren den Vorsitz übernommen hat. „Denn manche sagen, sie verstehen zwar Platt, können es aber nicht sprechen. Deshalb sollen alle das Lesen und Sprechen üben.“

Es gibt jedes Mal ein Motto, sagt Zoske – in diesem Jahr berühmte Persönlichkeiten. Manchmal schaffe sie es auch, Gäste für die Treffen zu gewinnen. So hätten die „Klönsnacker Rostocker 7“ schon mal mit Akkordeon die Warnemünder Gruppe besucht. Beim letzten Mal ist Kathrin Grund, Tochter des Pastors Rolf Grund, zu Gast gewesen. Der hatte den Verein kurz nach der Wende gegründet.

Finanziell unterstützt der Warnemünde-Verein die Gruppe. Die revanchiert sich, indem sie jedes Jahr ein Benefiz-Programm für das Heimatmuseum gestaltet. Die Einnahmen kommen dem Museum zugute, so Zoske.

Die Diskussion, ob Plattdeutsch als Schulfach eingeführt werden muss, sieht die Rentnerin zwiegespalten: „Wenn, dann sollte es ein Fach sein, dass man freiwillig belegen kann“, denn sonst wären ohnehin Störenfriede dabei, die gar nicht lernen und andere ablenken würden, meint Zoske. Doch selbst wenn es Pflicht wäre: „Ob das zum Erhalt der Sprache beitragen würde, ist ungewiss.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen