Plagiats-Software im Gespräch

svz.de von
26. März 2013, 10:41 Uhr

Rostock | Zwei Plagiatsfälle sind an der Uni Rostock bekannt geworden. Aber eine einheitliche Regelung, wie sich Abschreiber aufspüren lassen, gibt es nicht. Die Hochschule verfügt nach eigenen Angaben über keine flächendeckende Überprüfungs-Software. In Zukunft könnte sich das jedoch ändern. Zumindest hat bereits das Studentenparlament (Stura) über die Einführung eines solchen Programms diskutiert. Die Mitglieder sprachen sich prinzipiell dafür aus. Die Software sollte jedoch ausschließlich in Verdachtsfällen eingesetzt werden und nicht als flächendeckendes Kontrollinstrument. Derzeit entscheiden alle Fakultäten unabhängig voneinander, wie sie sich vor Plagiaten schützen. Das teilt Uni-Sprecher Dr. Ulrich Vetter mit. In manchen Fällen nehmen sogar einzelne Institute das Problem in die Hand, wie etwa das für Politik- und Verwaltungswissenschaften.

Nach Bekanntwerden des prominenten Plagiats-Falls des Ex-Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) wurde dort die Software "Plag-Aware" eingeführt. Dieser Online-Service spürt mit Hilfe einer Suchmaschine identische Inhalte auf und untersucht den Grad und die Art der Übereinstimmung. Die Theologische Fakultät nutzt mit "Docoloc" ebenfalls eine Plagiats-Software. Hingegen setzt die Philosophische Fakultät der Uni auf das Verantwortungsbewusstsein der Studenten und auf aufmerksame Dozenten. 2011 geriet an der Fakultät eine Doktorarbeit in den Verdacht, abgeschrieben worden zu sein. Die Dissertation im Fach Erziehungswissenschaften war dem Dekan der Philosophischen Fakultät und Zweitkorrektor der Arbeit, Prof. Hans-Jürgen von Wensierski, aufgefallen, weil die Stilistik der einzelnen Abschnitte sehr unterschiedlich war. Die Doktorandin wurde des Abschreibens überführt und bekam keinen Doktor-Titel. In der Folge wurde ihr auch das Diplom aberkannt, das von Wensierski ebenfalls überprüfte. Die Frau klagte gegen die Entscheidung und verlor vor Gericht. Die Philosophische Fakultät verpflichtet heute alle Studenten dazu, eine Ehrenerklärung zu unterzeichnen. Damit bescheinigen die angehenden Akademiker, dass sie den Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zur Vermeidung wissenschaftlichen Fehlverhaltens folgen. Dazu gehört auch die Vermeidung von Plagiaten als schwerwiegende Form geistigen Diebstahls. Kommt es dennoch zu Schummeleien, landen die Arbeiten vor der Ombudskommission der Uni Rostock. Vier Professoren untersuchen dann den Fall des vermuteten wissenschaftlichen Fehlverhaltens.

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