Debatte über Polizistin : Peter-Weiss-Haus zieht Konsequenzen

Im Peter-Weiss-Haus in der Doberaner Straße wirken zehn verschiedene Gruppen. Durch den öffentlichen Umgang mit dem Vorfall auf einer Party wurde das Ansehen des Hauses beschädigt.
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Im Peter-Weiss-Haus in der Doberaner Straße wirken zehn verschiedene Gruppen. Durch den öffentlichen Umgang mit dem Vorfall auf einer Party wurde das Ansehen des Hauses beschädigt.

Es ist eine Partynacht mit Folgen: Am 31. Januar hat ein Ordner eine 26-jährige Polizistin des Peter-Weiss-Hauses verwiesen. Jetzt gibt es personelle Konsequenzen.

svz.de von
11. März 2014, 06:00 Uhr

Eine Partynacht mit Folgen: Am 31. Januar hat ein Ordner eine 26-jährige Polizistin des Peter-Weiss-Hauses verwiesen. Der Grund: ihr Beruf. Heute arbeitet der Ordner nicht mehr im Haus in der Doberaner Straße 21. „Schon am Montag danach war klar, dass wir diese Konsequenzen ziehen werden“, sagt Stephan Nadolny vom Vorstand des Hauses. Der Verein hatte den Organisator der Party, die Genossenschaft Subraum, aufgefordert, den Vorfall zu klären.

Zu keiner Zeit sei im Haus festgelegt worden, dass irgendwelche Berufsgruppen ausgeschlossen werden, sagt Nadolny – im Gegenteil: „Es soll ein diskriminierungsfreier Raum sein.“ Bei der Polizistin und ihrer Freundin haben sie sich entschuldigt, sagt der Vorstandsvertreter.

Auch der Ordner habe seinen Fehler eingesehen, bereue sein Handeln. Die Konsequenz bleibt aber bestehen, er arbeitet nicht mehr an der Tür. Um dort zu stehen, gebe es bestimmte Bedingungen. An sich sei das Haus nämlich stolz auf seine Ordner und Ordnerinnen, sagt Nadolny. Sie arbeiten ehrenamtlich, dennoch professionell – schlichten, gehen milder vor, als es an vielen anderen Orten die Praxis sei.


Misskredit durch falsche Fakten


Was nach dem Vorfall bleibt, abgesehen von einem stark sensibilisierten Team, sei das beschädigte Ansehen des Hauses, sagt Nadolny.

Der Vorfall wurde zum Stadtgespräch. Es ging damit los, dass angebliche Fakten dazukamen, die gar keine sind. So habe es zum Beispiel einen Würgegriff nie gegeben, das hätten mehrere Zeugen bestätigt, erklärt Nadolny. Auch aus dem politischen Raum gab es Reaktionen. Was Linke und Grüne geäußert hätten, sei kritisch und konstruktiv gewesen, sagt Nadolny. Die CDU allerdings sprach in einer Mitteilung von der angeblichen Aufforderung zur Gewalt gegen Polizisten. Klar ausgehend von dem Vorfall forderte die Fraktion eine Aufschlüsselung der Fördermittel für die im Haus ansässigen Vereine und Mieter. Fraktionsvorsitzender Frank Giesen sprach von einer möglichen Zweckentfremdung dieser Gelder. „So, wie sich die CDU positioniert hat, war es ein Angriff ohne Substanz“, sagt Nadolny. Der 37-jährige Soziologe betont, dass der Umgang mit den Mitteln völlig transparent sei.

Auch wenn sich der Vorwurf als haltlos herausstellte, habe er die ehrenamtliche Arbeit und auch die Kinder- und Jugendhilfearbeit im gesamten Haus in Misskredit gebracht. „Wie alle anderen Vereine im Haus lehnen wir den Vorfall ab. Aber die Geschichte wurde so aufgebauscht, dass es den Vereinen schadet“, sagt Reiner Mnich vom Literaturhaus.

Im Peter-Weiss-Haus arbeiten zehn verschiedene Gruppen und Vereine – darunter neben dem Literaturhaus die Soziale Bildung, der Bund Deutscher Pfadfinder und die Theaterjugend. Rund 6000 ehrenamtliche Stunden werden jährlich allein vom vermietenden Peter-Weiss-Haus e. V. geleistet. 20 000 Menschen besuchen jährlich das Haus.

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