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Personal wird knapp: Erste Unternehmen stocken Gehälter auf

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erstellt am 04.Mär.2012 | 07:37 Uhr

Schwerin | Einsicht in der Chefetage: Mit knapper werdenden Arbeitskräften stocken immer mehr Unternehmer in MV die Löhne für ihre Angestellten auf und unterlegen sich wieder Tarifverträgen. In Vorpommern seien in den vergangenen Monaten mit zwei neuen Unternehmen entsprechende Verträge abgeschlossen worden, darunter mit der Gießerei in Ueckermünde, teilte Guido Froeschke, Bevollmächtigter der IG Metall in Neubrandenburg, mit. Mit weiteren Unternehmen werde über neue Tarifverträge verhandelt. In anderen Betrieben seien betriebliche Lösungen gefunden und die Löhne erhöht worden. Bei den Arbeitgebern sei ein Trendwende erkennbar. Immer mehr würden erkennen, dass sie bessere Löhne zahlen müssten, um ihre Mitarbeiter zu halten.

Besserung auch für die 15 000 Mitarbeiter zählende Ernährungswirtschaft: Im vergangenen Jahr seien weitere Unternehmen Tarifverträge beigetreten, teilte der Arbeitgeberverband Nordernährung mit. Die Zahl der Beschäftigten, die nach Tarif entlohnt werde, habe sich in MV um etwa ein Viertel erhöht, sagte Hauptgeschäftsführer Uwe Teuchert. "Viele werden wach." Die Unternehmen seien dabei, Lohnungleichheiten wettzumachen. In der Branche seien die meisten Unternehmen bereits tarifgebunden.

Zurückhaltung noch im Einzelhandel: Nach der schwierigen Tarifrunde 2011 gebe es noch keine nennenswerte Tarifbewegung, sagte Dirk Böckenholdt, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nordost. Allerdings werde derzeit ein neues Entgeltsystem mit einem gerechteren Tarifmodell verhandelt.

Jahrelang galten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgehandelte Tarifverträge in MV als Auslaufmodell. Gerade einmal für 37 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland galten 2010 Branchentarifverträge, ermittelte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. 1996 waren es noch 56 Prozent. Noch stärker betroffen ist Ostmecklenburg und Vorpommern. In der Region werden schätzungsweise weniger als ein Drittel der Beschäftigten nach Tariflöhnen bezahlt, heißt es bei der IG Metall.

Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik hatten vor einem Jahr in einer gemeinsamen Erklärung zur Stärkung der Tarifpartnerschaft in MV vereinbart, die "Tarifbindung als ein wirksames Instrument der Fachkräftesicherung" zu verstärken. Inzwischen sei bei immer mehr Unternehmen erkennbar, dass sie bessere Löhne zahlen wollten, hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) festgestellt - selbst in der wegen Dumpinglöhnen in der Kritik stehenden Hotel- und Gaststättenbranche.

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