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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. August 2017 | 11:30 Uhr

Rostock : Perfekt vorbereitet – in der Theorie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Studenten wünschen sich eine praxisnähere Lehrerausbildung. Dazu adaptieren sie die Idee von der Berliner Initiative Kreidestaub

Alles ist perfekt vorbereitet: Marlen Grimm breitet auf dem Campus Ulmenstraße eine Decke aus – Christian Splitter, Jule Stein, Maria Hoehr und Robert Thomas tischen Erdbeereis, Weintrauben, Apfelsinenstücke und Waffeln auf. In Sachen Organisation kann der Lehrerin und den Lehramtsstudenten kaum jemand etwas vormachen. In ihren Didaktik-Seminaren und -Vorlesungen haben sie gelernt, alles gut zu organisieren, Unterrichtsstunden zu planen und Lerninhalte zu strukturieren. Und trotzdem sind sie mit ihrer Ausbildung nicht wirklich zufrieden. „Die Verzahnung von Theorie und Praxis funktioniert einfach nicht“, sagt Stein, die Französisch- und Religionslehrerin werden will.

Grimm, die gerade ihr Referendariat an der Schule abgeschlossen hat, erklärt, was das bedeutet: „Als ich das allererste Mal eine Klasse unterrichten sollte, war ich perfekt vorbereitet. Ich sollte eine Biologie-Stunde am Freitagnachmittag zum Thema Vogelflug geben und hatte sogar ein Modell gebastelt – doch dann rannten die Schüler über Bänke und Stühle.“ Darauf hatte sie in der Uni niemand vorbereitet. Grimm wusste nicht, wie sie die Klasse zur Ruhe bekommt. „Da hilft letztlich nur Erfahrung“, sagt die Lehrerin für Sport und Biologie heute lachend. Auch Hoehr wünscht sich, dass die Uni sie besser auf den Lehrer-Beruf vorbereitet – und zwar auf alles, was kommt. Thomas, der Grund- und Hauptschullehramt studiert, bringt es auf den Punkt: „Wir wollen nicht zu Wissenschaftlern, sondern zu Lehrern ausgebildet werden.“

In den Studienplänen ist heute nur wenig Praxis zu finden. Die Initiative Kreidestaub will das langfristig ändern und enger mit Schulen zusammenarbeiten. Vorstellbar wären zum Beispiel Mentoring-Programme oder zusätzlich organisierte Hospitationen. Doch schon kurzfristig wollen die engagierten Studenten und Absolventen etwas zur Verbesserung der Ausbildung beitragen. Mittwochs um 19 Uhr trifft sich die Initiative im Bildungskeller der Uni Rostock auf dem Campus Ulmenstraße 69 zum Austausch. „Wir wollen voneinander lernen“, sagt Splitter, der Wirtschaftspädagogik studiert und später an einer Berufsschule unterrichten wird. Bei den Treffen werden regelmäßig Vorträge gehalten, zu Themen wie Inklusion oder ausländische Bildungskonzepte. Es gibt Filmabende und Workshops. Geplant ist demnächst eine Klassen-Simulation.

Die Rostocker Initiative Kreidestaub hat sich in Berlin gefunden. „Ich habe mich allein gefühlt mit dem Wunsch, etwas verändern zu wollen“, erzählt Grimm. Und dann traf sie bei einem Seminar in der Hauptstadt ausgerechnet auf eine Gleichgesinnte aus Rostock – es war Stein. Sie beide kannten die Berliner Initiative Kreidestaub und wollten diese auch in die Hansestadt holen. In Rostock fanden sie mit Hoehr schnell eine weitere engagierte Studentin. Zu dritt gingen sie auf die Suche nach anderen angehenden Lehrern, die bei der Initiative mitmachen wollen – mit Erfolg. Zu den regelmäßigen Treffen stoßen immer wieder neue Gesichter dazu und damit kommen auch immer wieder neue Ideen in die Runde. Jetzt suchen die angehenden Lehrer nach Unterstützung – vor allem vonseiten der Uni und der Schulen.

 

Internet: www.kreidestaub.net

 

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erstellt am 17.Jun.2014 | 07:00 Uhr

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