Pendler nehmen immer längere Wege zur Arbeit in Kauf

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16. Juli 2012, 08:18 Uhr

Schwerin | Arbeitnehmer in den neuen Ländern nehmen immer längere Wege auf sich, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Zwar nahm der Anteil der Binnenpendler in Deutschland von 46 Prozent aller Beschäftigten vor zehn Jahren auf 41 Prozent ab. Dafür steigt aber Pendeldistanz stetig an. Die Entfernung von der Haustür bis zum Büro beträgt im Durchschnitt knapp 17 Kilometer, berichtete das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Zehn Jahre zuvor waren es noch 14,6 Kilometer. "Man kann davon ausgehen, dass die steigende Tendenz anhält", sagte ein Mitarbeiter des Instituts.

In MV sind Pendlerströme insbesondere in den Kreisen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze enorm, Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg, sowie rund um die die großen Städte Rostock und Schwerin. Aus MV pendeln täglich 75 000 Menschen in andere Bundesländer - jeder achte Beschäftigte. 25 000 Menschen pendeln ein. Im benachbarten Brandenburg sind es sogar 28,4 Prozent bzw. 255 000 Auspendler. Laut Bundesagentur für Arbeit fahren im Norden allein 23 200 Menschen nach Schleswig-Holstein zur Arbeit. Es folgen Hamburg (13 600), Niedersachsen (8400), Brandenburg (7600) und Berlin (5700). Innerhalb des Landes pendeln 502 000 Berufstätige von 581 000.

In den neuen Ländern ist ein deutliches Nordost-Südwest-Gefälle zu beobachten. Es sind vor allem die dünn besiedelten Räume in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und der Altmark, die - laut dem Bericht - überdurchschnittlich hohe Pendeldistanzen aufweisen und in denen auch die Zunahme der Pendeldistanzen am stärksten fortschreitet. Viele Bewohner dort fahren mangels Arbeitsplätzen in der eigenen Region in die angrenzenden großen Arbeitsmarktzentren, die überwiegend in den alten Bundesländern liegen.

Der neue Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, forderte erst kürzlich in unserer Zeitung die Erhöhung der Entfernungspauschale. Seit der Anpassung im Jahr 2004 auf 30 Cent stiegen die Kosten der Mobilität um ein Drittel, rechnet Reiner Holznagel vor. "Viele Steuerzahler kommen - wegen der Kraftstoffpreise und der höheren Preise für den ÖPNV - mit den 0,30 Euro pro Entfernungskilometer nicht mehr hin. 40 Cent je Kilometer sind überfällig." Finanzministerin Heike Polzin (SPD) argumentiert hingegen, dass die Erhöhung um zehn Cent dem Land jährlich 20 Millionen Euro kosten würde. "Steuersenkungen aller Art, die den Haushalt belasten, kann sich das Land nicht leisten. Die meisten Kleinverdiener zahlen so wenig Steuern, dass sich die Erhöhung der Pendlerpauschale ohnehin kaum bemerkbar macht. In erster Linie würden Großverdiener profitieren."


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