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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 03:59 Uhr

Tierschutz : Pelz-Ermittler fahnden in der City

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Aktivisten des Deutschen Tierschutzbüros erklären Rostockern, wie viel Leid hinter ihren flauschigen Accessoires steckt.

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Marderhund, Waschbär oder Hermelin – ob für die Fellkragen der Hansestädter Tiere sterben mussten oder die dekorativen Fusseln nur synthetisch hergestellt sind, haben Aktivisten des Deutschen Tierschutzbüros gestern in der Kröpeliner Straße getestet. Dabei wollen die selbst ernannten Pelz-Ermittler weniger verurteilen als aufklären, denn: „Viele wissen gar nicht, dass sie echten Pelz tragen – sagen, sie würden diese sonst niemals kaufen“, weiß Jennifer Schöpf.

Obwohl in der EU eine strikte Kennzeichnungspflicht herrscht, werde diese häufig von Herstellern und auch Händlern missachtet. „Oftmals wissen die Händler selbst nicht, was sie eigentlich verkaufen, in ganz schlimmen Fällen werden die Waren aber sogar bewusst nicht als Pelz deklariert, um sie besser loszuwerden“, sagt Tierschützerin Schöpf. Obwohl der Trend und das Bewusstsein der Menschen sich zugunsten von Imitaten und gegen echten Pelz entwickelten, würden jährlich mehr als 100 Millionen Tiere weltweit verarbeitet, die meisten davon in China. Deshalb sei auch der Preis nicht immer aussagekräftig. „Viele denken, echter Pelz kann nicht günstig sein – aber Produkte aus der Massentierhaltung sind häufig billiger als die synthetischen“, sagt Schöpf.

Wenn aber nichts ausgezeichnet ist, wie sollen Verbraucher erkennen, ob unnötige Tierqualen hinter ihrer Kleidung stecken? Wie sie dem Pelz ohne Etikett auf die Schliche kommen, haben die Aktivisten, die deutschlandweit unterwegs sind, gestern den Rostockern verraten: „Echt Haare wippen und schwingen natürlicher und zerzausen nicht so leicht. Zudem erkennt man, ob die Wurzeln in echter Haut stecken oder gewebt wurden“, weiß die Aktivistin. Die meisten Hansestädter zeigten sich tierfreundlich und einsichtig: „Ich muss gestehen, ich habe bisher beim Kauf nicht bewusst darauf geachtet, ob es sich um Echtpelz handelt oder nicht“, sagt Ingelore Wohlgemut. Nachdem sie das Thema aber in den Medien verfolgt habe, sei sie aufmerksam geworden. „Ich habe alles im Kleiderschrank überprüft und – Gott sei Dank – keinen Echtpelz gefunden“, so die Rostockerin.

Trotzdem konnten die Pelz-Ermittler am Vormittag noch echte Marderhunde auf Rostocker Köpfen und an Jacken entdecken, die zum Teil sogar bewusst getragen wurden: „Soll ich das schöne Erbstück im Schrank lassen oder wegwerfen“, fragt eine Rentnerin halb schuldbewusst, halb empört. Genau das empfehlen aber die Tierschützer, denn: „Das Tragen ist fast schlimmer als der Kauf, denn so sendet man eine Botschaft und macht Pelz salonfähig“, sagt Tierschützerin Jennifer Schöpf.

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