Handwerkskammer zeichnet Top-Azubi 2010 aus : Pauline näht sich zum Sieg

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Federtaschen, Puppen und T-Shirts waren die ersten Stücke, die Vera Pauline Kerwitz als Kind schneiderte. Als angehende Schneiderin ist sie zum Top-Azubi des Landes gewählt worden.

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12. November 2010, 11:45 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | Federtaschen, Puppen und eine Piratenhose: Das sind die ersten Stücke, die Vera Pauline Kerwitz (21) geschneidert hat. Als Kind verarbeitete sie mit ihrer Großmutter an der Nähmaschine einfache Stoffe. "Meine ersten Kleidungsstücke konnte ich eigentlich nur zum Fasching anziehen", sagt die 21-Jährige. Die Nähte waren schief und der Schnitt nicht akkurat. Seitdem ist viel Zeit für Pauline vergangen. Heute ist sie im dritten Ausbildungsjahr zur Maßschneiderin. Ihr Handwerk erlernt sie bei Schneidermeisterin Marika Gurske (45) in der Waldemarstraße 12. Mit Leistung und Leidenschaft konnte sie die Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern überzeugen. Denn gestern hat sie im Landeswettbewerb zum Top-Azubi unter 40 Lehrlingen das Rennen gemacht.

Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) beschenkte die Gewinnerin mit einem Geldpreis in Höhe von 1000 Euro. "Davon werde ich mir Stoffe kaufen, um für meine Abschlussprüfung zu üben", sagt Pauline. Doch bis dahin heißt es für den Lehrling, noch viele Schnittmuster auszuprobieren. An ihre Anfänge erinnert sich die 21-Jährige gern zurück: "Meine Großmutter hat mit mir zusammen genäht und meine Eltern sind Textildesigner." Vor diesem familiären Hintergrund konnte die junge Frau gar nicht anders, als das gleiche Handwerk zu erlernen. "Dieser Beruf ist für mich etwas ganz Besonderes, da ich am Ende meiner Arbeit das Ergebnis in den Händen halten kann", sagt sie.

21-Jährige ist kaum zu bremsen

Außerdem kann Pauline gar nicht genug in ihrer Freizeit üben. Auch ihre Lehrmeisterin Marika Gurske ist begeistert von dem Engagement ihres Azubis: "Sie ist die Erste, der ich sagen muss, dass sie sich am Wochenende mal ein bisschen bremsen soll." Auch was das Können anbelangt, hat die Schneiderin nichts an ihrem Schützling auszusetzen. "Neben dem gewissen Fingerspitzengefühl für diesen Beruf ist mir auch wichtig, dass wir uns verstehen", sagt Gurske. Schließlich sitzen die beiden den ganzen Tag zusammen an der Nähmaschine. "Fehler zu machen, gehört einfach dazu", betont sie. Aber das Gute speziell an diesem Handwerk sei, dass man fast alles wieder ausbügeln könne. "Die Nähte lassen sich wieder auftrennen", so Gurske. Im Laufe der Ausbildung hat sie Pauline immer anspruchsvollere Aufgaben übertragen. "Zu Anfang durfte ich erst nur an dem Innenfutter von Mänteln arbeiten, da man die Nähte nicht sieht", sagt die 21-Jährige. Danach waren Reißverschlüsse an der Reihe. Im zweiten Lehrjahr musste sich die gebürtige Berlinerin dann im Schneidern einer Bluse beweisen. Der Höhepunkt war dann ein Hochzeitskleid. "Da mussten die Nähte gerade sitzen", sagt sie. Besonderen Spaß hat Pauline an den filigranen Aufgaben, bei denen sie sich konzentrieren muss. Perlen an einem Brautkleid zu befestigen, ist ihre liebste Arbeit. Maßarbeiten macht sie ebenso gern. "Da ergänzen wir uns sehr gut", so Gurske, die von dem frischen Wind ihres Nachwuchses profitiert. "Pauline bringt viele neue Ideen herein, wie moderne Farben zu kombinieren", sagt sie.

Für ihre Zukunft wünscht sich Pauline jedoch etwas mehr. "Ich könnte mir vorstellen, in einem Unternehmen als Stoffberaterin zu arbeiten", sagt sie. Doch dafür muss sie bei ihrer Abschlussprüfung glänzen. Bei der Prüfung zum Top-Azubi konnte sie die Jury bereits mit berufsübergreifendem Wissen und Handeln überzeugen. "Die Teilnehmer haben bewiesen, in Rollenspielen Konflikte zu regeln, denn die Persönlichkeit ist bei der Entscheidung wichtig", sagt Wirtschaftsminister Seidel. Nach Pauline, belegte die angehende Tischlerin Lisa Brech aus Waren den zweiten Platz. Der künftige Raumausstatter Christopher Giehle aus Hagenow teilte sich mit der Rostockerin und angehenden Augenoptikerin Patrizia Hintz den dritten Platz.

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