Paul macht in Rostock die Schiffe fest

Beim Festmachen der TT-Fähre „Huckleberry Finn“: Paul Dittmar ist bei Wind und Wetter im Einsatz. Georg Scharnweber
Beim Festmachen der TT-Fähre „Huckleberry Finn“: Paul Dittmar ist bei Wind und Wetter im Einsatz. Georg Scharnweber

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13. März 2013, 09:30 Uhr

Rostock | Gegen 21 Uhr steuert am Montagabend die TT-Fähre aus Trelleborg den Rostocker Hafen an. Aus dem Dunkel der anbrechenden Nacht nähert sie sich der im Scheinwerferlicht ausgeleuchteten Rampe. Am Kai warten Paul Dittmar und Ralf Rutenkolk von der Hafen-Entwicklungsgesellschaft (Hero), um die Festmacherleinen des Schiffes entgegenzunehmen und mit der dünnen Wurfleine die dicken Taue mit vereinten Kräften an Land zu ziehen und am Poller fest zu vertäuen. Die vereisten Taue und der rutschige Kai verlangen volle Konzentration.

Der 23-jährige Paul Dittmar ist ein frischgebackener Hafenlogistiker. Ende Januar hat der gebürtige Ilmenauer, der in Hagenow aufwuchs und hier seine Fachschulreife erwarb, seine Lehre wegen sehr guter Leistungen ein halbes Jahr vorzeitig beenden können. In der Regel dauert sie drei Jahre. So ist Dittmar nun bereits als Facharbeiter am Terminal tätig. Weitere vier Auszubildende der Hero befinden sich noch in der Verbundausbildung zum Hafenlogistiker - zwei im ersten, einer im zweiten und noch einer im dritten Lehrjahr, teilt Claudia Bals, Leiterin Recht und Personal der Hero, mit. In der Gesamthafenbetriebsgesellschaft (GHB) steuern sogar 21 Azubis den Abschluss als Fachkraft für Hafenlogistik an - sechs im dritten, acht im zweiten und sieben im ersten Lehrjahr, wie GHB-Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Kamrau berichtet. Qualifizierung hat hier einen hohen Stellenwert. So machen einige der 65 Beschäftigten den Befähigungsnachweis für Lkw- und Krantransporte oder bilden sich in Sachen EDV und Gefahrgut weiter. Florian Schult, der vor zwei Jahren seine Lehre vorzeitig beenden konnte, macht inzwischen die Meisterschule.

In den Häfen Rostock, Wismar und Stralsund, im GHB und bei Dienstleistern wie Karpack wird kontinuierlich Nachwuchs ausgebildet, wie eine Umfrage des Landesverbandes Hafenwirtschaft zeigt. Der Bedarf ist also da und somit die Voraussetzung für eine Landesfachklasse gegeben.

Kontinuierlich wird der Nachwuchs gefördert

Im September vergangenen Jahres begannen auch wieder 13 Azubis die Lehre als Fachkraft für Hafenlogistik. In diesem Beruf sind hafentypische Fertigkeiten zu erlernen - vom Festmachen eines Schiffes bis zum Verpacken und Festzurren der Fracht, vom Staplerfahren bis zum Bedienen einer Anlage. Die universellen Anforderungen können dank des breiten Spektrums des Ausbildungsverbundes vermittelt werden. Ein wichtiges Kettenglied sind in den drei Lehrjahren die Ausbildungslehrgänge über 24 Wochen, die im Verbund seit eineinhalb Jahren das Aus- und Fortbildungszentrum (AFZ) in Rostock-Marienehe gewährleistet. Das AFZ war in die Bresche gesprungen, nachdem das Hafen-Bildungszentrum mit dem Greifswalder Gesellschafter im Oktober 2011 in die Pleite schlitterte.

Insgesamt 48 junge Leute von den Häfen Mecklenburg-Vorpommerns werden gegenwärtig zu Fachkräften für Hafenlogistik ausgebildet. Bereits im Sommer vorigen Jahres meisterten neun Azubis des dritten Lehrjahres die Abschlussprüfungen in der Industrie- und Handelskammer (IHK) - acht von ihnen verstärken inzwischen die Fachkräfte in den Häfen, der neunte orientierte sich beruflich neu. In den Ausbildungslehrgängen unter Regie von Eva Hermann stehen Themen wie Hafenlogistik, Annahme und Lagerung von Gütern, Grundlagen der Transporttechnik, transporttechnologische Prozesse, Ladungssicherung, Einweisung/Übersetzung, Technologie des Beladens, Dokumente im Seefrachtgeschäft und die Arbeit mit Gefahrgütern auf dem Programm.

Gegen schulische Defizite, sei es in Mathematik oder Fachenglisch, wird mit Stützunterricht gegengesteuert. Auf Wunsch der Ausbildungsbetriebe bietet das AFZ mit Hilfe seiner Schifffahrtsschule unter anderem auch Festmacherschulungen an - Schulungen, die auch das Interesse bei GHB und Hero für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und Hilfskräfte weckten. Eigens für diese Schulung wurde von den Ausbildern eine Broschüre mit dem Titel "Festmacher-Latein" als Leitfaden erarbeitet.

Wo logistische Prozesse nachgestellt werden

"Wir werden den Bereich Logistik in unserem Haus weiter stärken und ein Logistikkabinett einrichten, also eine Übungswerkstatt, in der logistische Prozesse nachgebildet werden können", berichtet AFZ-Chefin Irmhild Düwel. In einem Logistikkabinett, ausgestattet mit 16 Computerarbeitsplätzen in Insellösung, können hier die einzelnen Logistikprozesse wie das Bestellen der Ware oder die Arbeit mit den Zollpapieren im grenzüberschreitenden Verkehr praktisch trainiert und gelehrt werden.

"Spielend lernen heißt die Devise", sagt die AFZ-Chefin. Der Ablauf und die Organisation der einzelnen Prozesse werden den Jugendlichen mit Hilfe eines visuellen Planspiels "higher level" nahegebracht. Im Kabinett wird zudem mit einer Demo-Version der Hafenlogistiksoftware gearbeitet. Zum Tag der Logistik am 23. April will das AFZ sein neues Kabinett der Öffentlichkeit vorstellen.

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