Anklage: Prostituierte aus Mordlust erstochen : Paul K. soll lebenslänglich hinter Gitter

Scheinbar unbewegt verfolgte der Angeklagte den Prozess. Foto: Bernd Wüstneck
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Scheinbar unbewegt verfolgte der Angeklagte den Prozess. Foto: Bernd Wüstneck

Eine lebenslange Freiheitsstrafe fordert die Anklägerin der Rostocker Staatsanwaltschaft für den 23-jährigen Paul K. Sie befand ihn im Prozess in Rostock des Mordes an der 52-jährigen Yana M. für schuldig.

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23. Mai 2013, 06:13 Uhr

Rostock | Eine lebenslange Freiheitsstrafe fordert die Anklägerin der Rostocker Staatsanwaltschaft für den 23-jährigen Paul K. Sie befand ihn gestern im Prozess vor dem Landgericht Rostock des Mordes an der 52-jährigen Yana M. für schuldig. "Es gibt keine Zweifel daran, dass der Angeklagte am Abend des 10. November 2012 seine seit zwei Jahren bestehenden Mordfantasien in die Tat umsetzte, weil er einen Menschen sterben sehen wollte", sagte sie.

Die Ukrainerin Yana M. war wohl ein Zufallsopfer. Der Angeklagte habe alles genau bedacht, so die Staatsanwältin. Bei seiner Mutter meldete er sich wegen einer angeblichen Hausschlachterei in einem Dorf für das Wochenende ab, seinen Freunden aus der Musikband zeigte er das Filetiermesser mit 18 Zentimeter langer Klinge, weil er es schleifen lassen wollte. Am Nachmittag des Tattages suchte er zunächst eine so genannte Modellwohnung in der Fritz-Reuter-Straße auf, verließ sie aber wieder, weil dort mehrere Prostituierte zugegen waren. Dann ging er in die Doberaner Straße. Gegen 18 Uhr klingelte er bei "Müller", wie es in einem Internetportal für Freier angegeben war, und sein Opfer öffnete. Paul K. versetzte der Frau einen Bauchstich, woraufhin sie sich nach vorne beugte. Nun stach er dreimal in ihren Rücken. Yana M. schrie. Er hielt ihr den Mund zu und durchtrennte mit zwei Schnitten beide Halsschlagadern. Die Frau verblutete.

Neun Tage später stellte sich der Angeklagte der Polizei und legte "unter dem Eindruck der Tat und angesichts der möglichen Wiederholungsgefahr" ein umfassendes Geständnis ab, so die Staatsanwältin. "Paul K. handelte aus reiner Mordlust", sagte sie gestern. Sie sah ebenso das Mordmerkmal der Heimtücke als gegeben an. Das Opfer sei ihm schutz- und wehrlos ausgesetzt gewesen. "Der Angeklagte wusste, was er tat. Er ist nicht krank." Eine besondere Schwere der Schuld wollte die Anklagevertreterin nicht erkennen. Sie war sich aber sicher, dass die Tat ohne das Geständnis des Angeklagten nicht aufgeklärt worden wäre. Der Nebenklägervertreter, der den Sohn des Opfers vertrat, plädierte ebenfalls auf eine lebenslange Haft.

Die Verteidigung bejahte auch das Motiv Mordlust, wandte sich aber gegen Merkmale der Heimtücke. Eine bewusste Ausnutzung der Wehrlosigkeit des Opfers habe es nicht gegeben, auch keinen Vertrauensbruch, denn er kannte sein Opfer nicht. Der Angeklagte habe alles zur Aufklärung der Tat getan. Mit seinem Geständnis habe er sich schwer belastet. Eine lebenslange Haft würde für ihn große negative soziale Folgen nach sich ziehen. Verteidigerin Katja Milewski wies darauf hin, dass ihr Mandant eben dem Jugendalter entwachsen und nicht vorbestraft ist. Der Leidensdruck in der Haft sei für ihn besonders schwer. Sie bat um ein mildes Urteil. Dieses soll am 3. Juni verkündet werden.

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