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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. November 2017 | 05:51 Uhr

Bühne : Parchim lädt Volkstheater ins TiS

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Spätestens im März zieht das Landestheater in den Stadthafen und wünscht sich eine Kooperation. Rostocks Intendant lehnt rigoros ab

Spätestens im März weht schon wieder ein anderer Wind im Theater im Stadthafen (TiS). Bis dahin will das Landestheater Parchim in das Gebäude einziehen. Damit folgt der Parchimer Intendant Thomas Ott-Albrecht einem Angebot vom Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Es kam vor einem Jahr, nachdem das Parchimer Theater aus technischen Gründen geschlossen wurde.

Doch da Parchim ein Landestheater ist, 50 Prozent seiner Stücke in der eigenen Stadt und die andere Hälfte außer Haus gestaltet, werde das TiS nicht die Hauptwirkungsstätte, so der Intendant. Stattdessen will er es mit Studenten der Hochschule für Musik und Theater (HMT) und der Theaterjugend Freigeister bespielen. Seit Juli dürfen die nach Absprache mit dem OB im Haus wirken – bis Parchim kommt. „Die Gespräche mit HMT-Rektorin Susanne Winnacker sind schon weit fortgeschritten“, sagt Ott-Albrecht.

Doch der größte Partner für die Kooperation soll das Rostocker Theater werden: „Es ist in unserem Interesse, das Volkstheater miteinzubeziehen“, sagt er. „Keiner der drei Genannten ist in der Lage, das Haus allein zu bespielen.“ Ein Profil fehlt noch. Parchim ergänze das Repertoire der anderen mit seinen Stücken für Familien, Kinder und Jugendliche. Das Angebot soll breit sein, Nischen nutzen, dem Haus zu neuem Glanz verhelfen. Auch Open-Air-Formate seien denkbar, so Ott-Albrecht. Bisher sei die Kooperationsidee nur vor einem Jahr und bei einer gemeinsamen Sitzung im Dezember zur Sprache gekommen. Genau abgestimmt habe er sich mit dem Intendanten des Volkstheaters, Sewan Latchinian, noch nicht. Das stehe die nächsten Tage an.

Latchinians Meinung steht aber jetzt schon fest: Nein, aus mehreren Gründen. Die Sitzung im Dezember sei eine des gemeinsamen Dachverbandes Theater-Managment GmbH (TheMa) gewesen, die seit 2009 die Kooperation beider Häuser fixiere, so Latchinian. Doch da Parchim ein Teil des Schweriner Staatstheaters werde, habe es bei dieser Sitzung die Aufgabe von TheMa beantragt. Mit dem 1. Januar 2016 ist der Zweckverband passé.

Umso überraschender sei der Vorschlag von Ott-Albrecht, auch wegen des Hintergrundes, meint Latchinian: Das Volkstheater musste 2014 rund eine halbe Million Euro einsparen. Als Folge musste das TiS geschlossen werden, alternativ hätte es die Tanztheatersparte getroffen. Sechs Monate lang stand das Haus leer, ehe Freigeister und Co einzogen, die statt Miete einen Teil der Einnahmen an den städtischen Eigenbetrieb für Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE) zahlen. Dem VTR seien Stadt und KOE nicht entgegengkommen, bemerkt Latchinian, auch wenn er der jungen Kultur die Bühne gönne. „Wir wurden rausgedrängt“, sagt Latchinian. Dass jetzt Parchim, eigentlich Schwerin, das VTR einladen kann, der OB das wisse, sei unmöglich. „Das ist eine Frage des Stils von der Hansestadt“, sagt Latchinian. „Ich habe ein Jahr gebraucht, um den Verzicht auf das TiS zu heilen.“ Er hat neue Spielstätten erschlossen – im Haus wie außerhalb mit Brauerei und bald Bunker für ein Stück über den Weltkrieg. Sich wieder auf das TiS zu orientieren, würde wieder ein Jahr dauern. „Und wir haben andere Sorgen: die potenzielle Schließung zweier Sparten“, so Latchinian. Für Ende Januar wird die Entscheidung der Bürgerschaft erwartet – ob das Theater als Vierspartenhaus weitermachen darf trotz eingefrorener Förderung. „Wir hoffen intensiv“, sagt Latchinian. Und es lohne sich. Das Theater habe einen sensationellen Dezember mit einer Auslastung von 80 Prozent, 23 000 Besuchern und 295 000 Euro Einnahmen erlebt. „Es gibt eine neue Theaterlust.“

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