Pappel abgeholzt: Und was wird jetzt aus dem Specht?

Dieser Buntspecht besucht im Winter häufig den Balkon von Evelyn Lippason. Von dort aus flog er  bis gestern immer zur Pappel weiter.privat
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Dieser Buntspecht besucht im Winter häufig den Balkon von Evelyn Lippason. Von dort aus flog er bis gestern immer zur Pappel weiter.privat

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24. Januar 2013, 10:13 Uhr

Warnemünde | Evelyn Lippasson aus Warnemünde hat ein Herz für Vögel. Insbesondere ein leuchtender Buntspecht hat es ihr in diesem Winter angetan. Häufig saß er auf ihrem Balkon und pickte an dem dort aufgehängten Meisenknödel und anderem Vogelfutter. Nach seinem Mahl hatte der bunte Geselle sein festes Ritual: Er flog zu einem Birnenbaum auf dem großen Grundstück und von dort in eine alte Pappel. Doch jetzt muss der Specht sich ein neues Zuhause suchen - die Pappel wurde gestern abgeholzt.

73 Jahre soll der Baum bereits alt gewesen sein und knapp 30 Meter hoch, war von Anwohnern zwischen der Dänischen und Laakstraße zu erfahren. Und dass das Fällen kein Akt der Willkür gewesen sei, sondern eher erfolgte, weil der Baum morsch war. Deshalb wurde der Baum-Riese bis gestern um kurz vor 14 Uhr Stück für Stück abgetragen. Auch eine Tanne wurde auf dem Grundstück schon beseitigt, heute soll eine Birke folgen.

Was den Specht und sein Revier anbelangt, ist Forstamtsleiter Jörg Harmuth dennoch zuversichtlich: "Ich gehe davon aus, dass er den Balkon der Warnemünderin und den Birnenbaum weiter besuchen und sich ansonsten eine andere Bleibe suchen wird", sagt der Experte. Ihm zufolge sind die Buntspechte ziemlich tolerant in ihrer Wahl. "Wenn ein abgestorbener Baum weg ist, suchen sie sich im Umfeld einen nächsten", sagt er. Denn Spechte haben viel feinere Sensoren als andere Vögel, sie erkennen eher, ob ein Baum tot oder absterbend ist. Sie können sich auch gut bewegen und sind nicht darauf angewiesen, dass der nächste Baum sich direkt im Umfeld befindet.

In der Rostocker Heide und in Warnemünde gibt es etliche Spechte, auch im Arbeitsumfeld von Harmuth. "Das ist ein sehr schöner Anblick", sagt er. Und so kann Evelyn Lippason hoffen, dass dieser bunte Geselle wieder zu Besuch kommt: Zu ihrer Freude und zu seiner eigenen Sättigung.

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